Evas Stellvertreter Beckmann ersetzt Herman
Hamburg - Reinhold Beckmann vertritt die wegen ihrer umstrittenen Äußerungen zur NS-Familienpolitik gefeuerte Moderatorin Eva Herman beim NDR-Talk. Beckmann werde am Freitag die Sendung aus Hannover gemeinsam mit Bettina Tietjen moderieren, teilte der NDR heute in Hamburg mit.
Die Show soll zunächst unter dem Titel "Talk mit Tietjen" laufen. Herman hatte an der Seite von Tietjen seit 1997 die Talk-Show "Herman und Tietjen" präsentiert, bevor sich der NDR von ihr getrennt hatte.
"Reinhold Beckmann ist einer von Deutschlands besten und erfahrensten TV-Journalisten. Ich freue mich deshalb, dass er so spontan beim 'Talk mit Tietjen' einspringt", sagte der NDR-Programmdirektor Fernsehen, Volker Herres.
Beckmann ist ebenfalls gespannt auf den Einsatz: "Talk mit Publikum und Talk zu zweit ist eine ganz neue Konstellation für mich. Ich glaube, das kann ein ganz launiger Abend werden", betonte er. Allerdings wird er nur einmal einspringen. Wie die Besetzung dauerhaft aussehen soll, ist noch offen.
Herman hat unterdessen Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe mit den Äußerungen Werbung für ihr neues Buch machen wollen. "Es liegt mir nichts ferner als irgendeine Form von Medienöffentlichkeit zu suchen, durch die entgegen meiner Überzeugung auch nur der Anschein einer Nähe zu braunem Gedankengut entstehen könnte", sagte sie der Illustrierten "Bunte".
Der Skandal ist aus ihrer Sicht eher ein Medienprodukt. Ihre Äußerungen seien "vorsätzlich in einen falschen Zusammenhang gestellt worden", klagte die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin. Sie habe immer ihre "grundlegende Ablehnung gegenüber jeder Art von links- und rechtsradikalen Parteien deutlich" gemacht. Es gehe ihr um die Zukunft der Gesellschaft, "die künftig in den Händen unserer Kinder liegen" werde: "Und es geht mir darum, dass man erkennt, dass die Frauen so unter Druck sind, dass man das System ändern muss."
Kritik reißt nicht ab
Die Kritik an Herman reißt unterdessen nicht ab. Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, begrüßte die Entlassung der 48-Jährigen. "Der NDR hat mit der Kündigung richtig reagiert", sagte Knobloch der Münchner "Abendzeitung". Herman sei "nicht nur schlecht beraten, sondern vor allem schlecht informiert" gewesen. "Jetzt hat sie die Quittung - und das zu Recht", sagte Knobloch. Herman habe "das nationalsozialistische Thema der Mutterschaft, die damals einer furchtbaren Züchtigung von Frauen gleichkam, positiv besetzt in Umlauf gebracht", kritisierte Knobloch: "Gerade für jüngere Zuschauern ist das gefährlich."
Auch die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin erklärte, der NDR habe richtig gehandelt. Hermans Äußerungen zeugten "von entsetzlicher Dummheit und Unkenntnis darüber, was das Nazi-Regime mit seiner Familienpolitik bezweckte", sagte Koch-Mehrin der "Bild"-Zeitung. "Frau Herman hat sich disqualifiziert." Die Moderatorin hatte sich Teilnehmern zufolge bei der Vorstellung ihres neuen Buches in der vergangenen Woche über die Wertschätzung der Mütter und Familien auch im Nationalsozialismus und über die Abschaffung solcher Werte in der 68er Bewegung ausgelassen.
Gregor Haake/Ap