Ex-Sportchef Emig Frei und doch verdächtig
Frankfurt/Main - Seit heute ist er wieder frei: Jürgen Emig, der unter Korruptionsverdacht stehende Ex-Sportchef des Hessischen Rundfunks (HR). Der Haftbefehl gegen den 60-Jährigen wurde unter Auflagen außer Vollzug gesetzt, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp mitteilte. Zu den Auflagen gehören eine Kontaktsperre zu bestimmten Personen sowie die Pflicht, einen Wechsel des Wohnorts der Polizei zu melden.
Emig war Ende Juni erstmals verhaftet worden. Einen Monat später wurde er auf Beschluss des Frankfurter Amtsgerichts aus der Untersuchungshaft entlassen, nur um drei Tage später erneut festgenommen zu werden. Die Staatsanwaltschaft hatte Beschwerde gegen die Freilassung eingelegt, weil sie befürchtete, Emig könne in Freiheit Beweise vernichten. Für zweieinhalb Wochen saß Emig danach in der Justizvollzugsanstalt im südhessischen Weiterstadt.
Inzwischen sei alles "ausermittelt, was verdunkelt werden kann", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Doris Möller-Scheu. Ob und wann gegen Emig Anklage erhoben wird, sei derzeit noch nicht absehbar. Sie gehe aber davon aus, dass sich die Ermittlungen in dem Fall noch Monate hinzögen, sagte Möller-Scheu.
Emig steht im Verdacht, bestechlich gewesen zu sein sowie Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben. So wird dem TV-Journalisten vorgeworfen, er habe in HR-Sendungen Produkte von Firmen platziert, die seine Frau in ihrer Media-Agentur betreut. Außerdem steht er im Verdacht, von kleinen Sportvereinen und Sportveranstaltern Geld für öffentlich-rechtliche Sendezeit kassiert zu haben. Gegen Emigs Ehefrau laufen ebenfalls Ermittlungen.
Die Schmiergeldaffäre um Emig brachte auch seinen Kollegen Wilfried Mohren zu Fall: Der ehemalige Fernsehsportchef des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) wurde seines Amts enthoben und sitzt unterdessen in Untersuchungshaft.