Expo-Faust: Generalprobe ohne Ganz - DER SPIEGEL
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Expo-Faust Generalprobe ohne Ganz

Hinter den Kulissen gilt es als unwahrscheinlich, dass Bruno Ganz den "Faust" spielen wird. Bei den Proben hat bereits der junge Schauspieler Christian Nickel seinen Part übernommen.
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Hannover - Bruno Ganz, Star der 21-stündigen Marathon-Inszenierung von Goethes "Faust" auf der Weltausstellung, wird bei der Generalprobe am Samstag nicht auf der Bühne stehen. Und auch bei der Premiere am 22./23. Juli dürfte der 59-Jährige mit großer Wahrscheinlichkeit nicht dabei sein.

Ganz war vor vier Wochen bei Proben zur Gretchen-Szene von einer Leiter gestürzt, hatte sich an der Hüfte verletzt und den Handwurzelknochen gebrochen. Die Chancen, dass er sich noch rechtzeitig erholt, werden mit jedem Tag geringer. Schließlich wurde der Schauspieler operiert und muss sich nun nach Anraten seiner Ärzte schonen. Eine so große Belastung wie eine 21-stündige Theateraufführung ist in diesem Zustand wohl niemandem zuzumuten - vor allem, weil Bruno Ganz als Hauptdarsteller die meiste Zeit auf der Bühne stehen müsste. Bei den Proben hat bereits der junge Schauspieler Christian Nickel seinen Part übernommen.

Noch hält sich das "Faust"-Ensemble - allen voran Regisseur Peter Stein - mit Stellungnahmen zurück. "Es ist nicht sicher, ob Bruno Ganz spielen wird", sagt Expo-Kulturleiter Tom Stromberg. Für Regisseur Peter Stein ein schwerer Schicksalsschlag: Jahrelang hatte der 62-Jährige auf seinen Traum hingearbeitet, Goethes "Faust" in kompletter Länge aufzuführen. Das hat bis dahin noch kein professionelles Theaterensemble gewagt. Seit einem Jahr probt das 35- köpfige Ensemble abgeschottet von der Außenwelt in Hannover, zunächst in einer alten Lagerhalle, seit dem 1. April in der Faust-Halle auf dem Weltausstellungsgelände. Um das 30 Millionen Mark teure Mammutprojekt zu realisieren, wurde eigens die Faust-Ensemble GmbH gegründet - vom Requisitestuhl bis zum Scheinwerfer musste alles selbst organisiert werden. Star der Inszenierung sollte Bruno Ganz werden, mit dem Stein bereits an der Berliner Schaubühne eng zusammengearbeitet hatte.

Nun bekommt der junge und nahezu unbekannte Schauspieler Christian Nickel die Chance seines Lebens. Der 31-Jährige spielt bereits den jungen Faust in "Faust I" und zwei kleine, aber wichtige Rollen in "Faust II", den Knaben Wagenlenker und Euphorion, den Sohn von Faust und Helena. Manche Kritiker trauen dem jungen "Ernst Busch"- Absolventen, der von 1997 bis 1999 Ensemblemitglied im Schauspiel Frankfurt war, die vielleicht größte Rolle im deutschen Theater nicht zu, bei den Proben macht er aber nach Angaben von Beobachtern eine gute Figur. "Nickel ist ein hervorragender Schauspieler. Und außerdem sieht er gut aus", sagt Stromberg.

Sollte Nickel die große Herausforderung bewältigen, fällt trotzdem ein entscheidender Part der Inszenierung von Peter Stein weg. In der Gegenüberstellung des draufgängerischen und wagemutigen jungen Faust und des bedächtigen und nachdenklichen alten Faust lag ein Kernstück seiner Inszenierung. Doch "Faust"-Freunde können hoffen: Auch wenn Bruno Ganz an der Premiere nicht teilnehmen kann, wird er zu einem späteren Zeitpunkt wieder zum Ensemble hinzustoßen. Vielleicht nicht auf der Weltausstellung, aber ganz sicher in Berlin und Wien, wo die Inszenierung anschließend zu sehen sein wird.

Carola Große-Wilde