Falsche Terrakotta-Krieger Chinesen wollen klagen
Peking - Wegen der Ausstellung im Hamburger Völkerkundemuseum, in der statt Originalen nur Terrakotta-Krieger-Kopien zu sehen waren, sind nun auch die chinesischen Behörden aufgeschreckt. Das für die Figuren aus der ehemaligen Kaiserstadt Xian zuständige Büro für antike Kulturschätze kündigte juristische Schritte gegen Organisationen und Einzelne an, die unter seinem Namen gefälschte Exponate ausstellten.
"Unsere Rechte sind ebenso wie die des deutschen Publikums verletzt worden", sagte dessen Sprecher Chen Xianqi. Die Ausstellung der gefälschten Tonfiguren sei ein "ernsthafter Fall von Betrug" und verletze die Urheberrechte.
Der Behördenvertreter machte keine genauen Angaben darüber, gegen wen das Büro gerichtlich vorgehen wolle. Indirekt kritisierte er aber das Hamburger Museum, das die Ausstellung gemeinsam mit der Leipziger Ausstellerfirma Center of Chinese Arts and Culture (CCAC) ohne Beratung mit dem Kulturbüro in Shaanxi organisiert habe. "Unser Büro wusste nichts von der Ausstellung", sagte Chen.
Die seit dem 25. November laufende Ausstellung war am Mittwoch vorzeitig geschlossen worden. Zuvor war bekannt geworden, dass es sich bei den angeblich 2200 Jahre alten Originalfiguren um Kopien handelte. Den Skandal ausgelöst hatte der Leipziger Kulturmanager Roland Freyer, der Anfang Dezember öffentlich Zweifel an der Echtheit der Exponate äußerte. Erst zeigte er das CCAC wegen Betrugs an und reichte dann eine Anzeige gegen Museumsdirektor Wulf Köpke nach.
Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos), die zugleich Vorsitzende des Stiftungsrates des Museums ist, gibt Museumsdirektor Köpke Rückendeckung. Der "Bild"-Zeitung sagte sie: "Es ist ein bedauerlicher Vorfall, aber ich glaube, er wird überbewertet". Es stehe nicht zur Diskussion, dass Köpke seinen Posten räume. Er werde von nun an sicher intensiver prüfen, wer seine Partner sind. Juristen müssten nun die Schuldfrage klären. Anfang der kommenden Woche werde sich der Stiftungsrat mit der Frage beschäftigen, ob die Ausstellung wieder eröffnet wird - trotz falscher Krieger.
Museumsdirektor Köpke selbst lehnte seinen Rücktritt ab. Sein Haus sei "nicht das erste Museum, das auf sowas reinfällt, und wir werden auch nicht das letzte sein", sagte Köpke dem Deutschlandradio Kultur. Zugleich gestand er Versäumnisse ein: "Augenscheinlich haben wir etwas versäumt, sonst hätte es nicht einen solchen Fehler gegeben." Eine Wiedereröffnung hielt er aber für durchaus möglich, beispielsweise mit geringeren Eintrittspreisen.
Nach Angaben des Museums sahen seit Ende November rund 10.000 Menschen die Schau unter dem Titel "Macht im Tod - Die Terrakotta-Armee des Ersten Kaisers von China". Das Museum hat sich bei den Besuchern entschuldigt und bietet eine Rückerstattung des Eintrittsgeldes an. Einige nahmen dieses Angebot bereits an.
tho/AFP/AP