Fernsehen: Cologne kann noch kein Cannes sein - DER SPIEGEL
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Fernsehen Cologne kann noch kein Cannes sein

"Come to where the market is", annoncierte Helmut Thoma im Vorwege seiner "Cologne Screenings". Der ehemalige RTL-Chef hat ehrgeizige Pläne. Mit seiner internationalen Messe für Fernsehprogramme will er eine neue Sektion des "Medienforums NRW" etablieren. Der Premiere mangelte es jedoch an Zulauf.
Von Christian Bartels
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Deutschland ist der zweitwichtigste Fernsehmarkt der Welt, und in Nordrhein-Westfalen boomt die Medienindustrie - das sind die Ideen hinter den "Cologne Screenings", der internationalen Messe für Fernsehprogramme, die vom 5. bis 7. Juni erstmals im Rahmen des "Medienforum NRW" stattfand.

Zwischen Kölner Dom und Messeturm, unter dem sonst Süßwaren und Möbel ausgestellt werden, schaukelte die "Queen of Holland" sanft auf dem Rhein. 415 Videobänder mit neuem Fernsehprogramm standen auf dem Hotelschiff zur Sichtung bereit, 70 Filmfirmen waren präsent mit dem Vorsatz, die audiovisuelle Ware einander zu verkaufen.

Gerufen hatte Ex-RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma, der in der Medienwelt Achtung genießt, seit er den Privatsender zum größten Werbeträger des Kontinents ausgebaut hat. Inzwischen ist Thoma "Medienberater des Landes Nordrhein-Westfalen" und promotet den Medienstandort NRW auch global. "Come to where the Market is", ließ Thoma in der Fachpresse annoncieren. Deutschland gilt immerhin als spannendster Fernsehmarkt der Welt: Die Konkurrenz ist hart, die gezahlten Preise sind hoch.

Am dritten und letzten Messetag war die Stimmung an Bord jedoch gedrückt. "Die Deutschen kaufen lieber, wo die Sonne scheint", vermutete enttäuscht Nick Stiliadis, Chef der Firma cinemavault.com aus Toronto. In Cannes, Ort der zwei größten europäischen TV-Messen, mache er regelmäßig Geschäfte mit den Deutschen. In Köln hätten sich keine Kontakte ergeben.

Wenig Traffic auf den engen Schiffsfluren beklagten unter der Hand auch viele einheimische Händler, die vergebens auf ausländische Kundschaft gehofft hatten. Die avisierte Zahl von 700 Interessenten hatte sich auf gut 160 Akkreditierte reduziert; frühzeitig fand man viele der zu Büros umfunktionierten Schiffskabinen bereits verschlossen: Die erhofften Synergieeffekte mit dem zeitgleich veranstalteten Medienforum waren ins Gegenteil umgeschlagen, weil sich resignierte Messeteilnehmer ins Kongreßgetümmel anderer Veranstaltungen gestürzt hatten - nicht zuletzt, weil es mitunter unangenehm roch auf dem Schiff, dessen Räume nicht klimatisiert und Fenster nicht zu öffnen waren, wie frustrierte Medienhändler monierten.

Ohnehin träfe sich immer derselbe Personenkreis auf immer mehr Märkten. Acht gab es in diesem Jahr bereits, die May Screenings liefen just in L.A. und Nordic Screenings in Norwegen, weshalb auch skandinavinavische Kunden fehlten. Dennoch machten einige local heroes der starken Kölner Medienszene sogar in Optimismus: Das Vox-Team will der Welt Formate wie "auto motor und sport-tv" (ist bereits nach China verkauft) und "Fit for fun-TV" verkaufen und hat neue Gesprächsrunden in Gang gesetzt

Auch die Brainpool AG wittert internationale Abnehmer für ihre Comedy-Ideen, nennt aber selbstverständlich keine Namen. Schließlich schlage jede Meldung sofort auf den Börsenkurs durch. Die hier offenbar fliessenden Geldströme, die immer mehr Börsen- und Bankenmillionen in die Medienbranche lenken, machen die deutsche Marktmacht aus - und könnten der Messe langfristig doch zum Erfolg verhelfen. Die Kirch-Gruppe etwa - einstmals Helmut Thomas großer Konkurrent im Fernsehgeschäft - präsentierte sich professionell und selbstbewußt als "vielleicht größter Programmhändler der Welt" und zeigte Trailer neuer europäischer Koproduktionen: Im spanischen Dreiteiler "Road to Santiago" mimen Maria Schrader und Heike Makatsch neben Anthony Quinn, und im französischen Vierteiler "Les Miserables" spielt Otto Sander zwischen Malkovich und Depardieu.

Tobias Moretti, verkündete Koproduktionsleiterin Sabine Tettenborn stolz, sei südlich der Alpen dank "Kommissar Rex" solch ein Star, dass ihm die Italiener nicht nur den Josef (dem biblischen Zimmermann widmet Kirch ein Biopic), sondern sogar einen Sizilianer abkaufen. Hier zu Lande wird der Österreicher gerne als deutscher Schauspieler vermarktet. Mit derartiger Chuzpe und langem Atem könnten sich die Cologne Screenings tatsächlich eine Nische auf dem Messen-Markt sichern.

An langem Atem fehlt es nicht in NRW: Die Mutter-Veranstaltung Medienforum übt schon seit 12 Jahren retrospektive Selbstkritik an der eigenen Unübersichtlichkeit, um im kommenden Jahr noch selbstbewußter und noch unübersichtlicher wiederzukehren.