Fernsehen Sex And The (Asian) City
"Ich glaube, Eier sind für Männer wie Handtaschen für uns Frauen. Es sind nur kleine Säckchen, aber ohne sie würden wir uns in der Öffentlichkeit nackt fühlen." Es sind solche Sprüche, die Zuschauer in den USA und Europa schon lange über die vier New Yorker Freundinnen kichern lassen. Carrie, Charlotte, Samantha und Miranda sind all das, was viele moderne Frauen selbst gern wären: schamlos, unabhängig, verschwenderisch. All das, wovon traditionelle Frauen in Asien nicht mal träumen dürfen. Und trotzdem: "Sex And The City" ist der neue Hit im asiatischen Fernsehen.
Junge, berufstätige Frauen sind die wichtigste Zielgruppe, die der Kabelkanal HBO mit seiner frechen Serie erreichen will. Das hat vor allem Marketinggründe. Die moderneren Zuschauerinnen sind oft Singles wie Carrie und Co., verdienen viel Geld und haben wenig Zeit, es auszugeben. Für diese potentiellen Kundinnen veranstaltet HBO gemeinsam mit Mode- und Kosmetikfirmen seit einiger Zeit Fashion-Shows in Bangkok und Manila. Die erste Veranstaltung in Bangkoks schickster Einkaufsgegend nannte sich "Shoes In The City" und lockte mehr als 3000 Besucher an.
In Honkong veranstaltet HBO gemeinsam mit einer Likörfima Themen-Partys, in Manila bieten sie Mobiltelefon-Kunden "Sex And The City"- Updates via SMS aufs Handy. Eine Shopping Mall in Manila wurde vergangenes Wochenende Schauplatz eines dreitägigen Fashion-Events, bei dem Schuhe, Taschen und Unterwäsche zu Extrapreisen über die Ladentheke gingen - jene Accessoires, die die Journalistin Carrie und ihre überdrehten Freundinnen so lieben.
Für James Marturano, Vizepräsident von HBO Asia, sind solche Shows eine lukrative Nebeneinnahme. "Solche Sachen sind ein interessantes Bindeglied zur Serie", so Marturano. "Man versucht, das Markenzeichen, das Programm, die Firma noch mehr Zuschauern zu präsentieren." Der Kabelkanal HBO hat vier Millionen Nutzer in 19 asiatischen Ländern.
In Bangkok müsste wohl jeder mittlerweile das Gesicht von Hauptdarstellerin Sarah Jessica Parker kennen. Ihr interessantes Antlitz lächelt hier überall von Bussen und riesigen Plakatwänden. In Hong Kong stehen Videos von der Sendung an der Spitze der Charts. "Der wilde Lebensstil der "Sex And The City" - Figuren ist nicht unbedingt der von thailändischen Frauen", sagt Narirat Telan, Managerin der Kosmetikfirma MAC, die bei der "Shoes In The City" - Show das Make-up für die Models lieferte. "Doch die Serie setzt ganz klar Trends in Thailand."
Die in Taiwan lebende Kommunkationsberaterin Lisa Chiu liebt die Serie, weil die Hauptdarstellerinnen Tabus brechen. "Es gibt mir und meinen Freundinnen Anlass, über Sex und Beziehungen zu reden", so die 33-Jährige. "Über solche Dinge ist es uns sonst zu peinlich zu sprechen." Auch der Stil der Journalistin Carrie in der Serie beeinflusse sie. "Seit ich die Serie schaue, traue ich mich sogar, blumenbedruckte T-Shirts zu tragen", so Chiu. "Vorher habe ich immer einfarbige, unauffällige Kleidung bevorzugt."
Doch nicht in allen Ländern ist der freizügige Inhalt von "Sex And The City" erwünscht. Im streng kontrollierten Singapur ist die Serie wegen ihres offensiv erotischen Inhalts verboten, ebenso in Indien. Man wolle konservativ eingestellte Inder nicht beleidigen, sagte ein Sprecher von Turner International, die HBO in Indien vertreten. In Malaysia und Indonesien darf die Sendung nur zu sehr späten Sendezeiten gezeigt werden.
In Singapur lassen sich jedoch nicht alle Frauen von dem Verbot der Serie beeindrucken. Einige veranstalten Hausparties, auf denen die neuesten Folgen von "Sex And The City" gemeinsam angesehen werden. Die 30-jährige Esther Wong findet es nutzlos, die Videos zu verbieten. Sie könne sich jederzeit neue DVDs besorgen. "Es ist so dämlich, es zu verbieten", so Wong. "Es schauen sowieso alle."