Ferres' Bühnen-Comeback: Geld oder Liebe - DER SPIEGEL
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Ferres' Bühnen-Comeback Geld oder Liebe

Immerhin gab es keine Buhs für Veronika Ferres. Stattdessen flogen ihr am Ende dieses kurzweiligen Abends im Münchner Residenztheater zwei bunte Blumensträuße aus dem Parkett entgegen. Sie quittierte das mit einem bäuerlichen Lächeln und einer Verbeugung, bei der ihr gelocktes Walle-Haar bis auf den Boden hinunterwogte.
Von Sven Siedenberg
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München - "Ich hoffe, es wird ein Skandal", hatte sie vor der Premiere noch verlauten lassen. Was nur damit zu erklären ist, dass Deutschlands bekannteste Blondine sich von ihrem langjährigen Lebensgefährten und Förderer Helmut Dietl vor kurzem getrennt hat und sie nun niemanden mehr hat, der ihren Hang zur Vollmundigkeit ein wenig drosselt. Denn die Komödie, in der die Filmschaupielerin nach zehnjähriger Theaterabstinenz ihre Rückkehr zur Bühne feiert, ist reiner Boulevard. "Die Kassette", 1911 von Carl Sternhein verfasst, erzählt die Geschichte eines frisch verheiraten und hoch verschuldeten Oberlehrers, dem eine Erbschaft in Aussicht gestellt wird und der sich letztlich entscheiden muss zwischen Geld oder Liebe.

Dass ausgerechnet Veronika Ferres jene Fanny Krull spielt, die ihren Ehemann mit erotischer Verführungskraft die Gier nach dem Gelde auszutreiben versucht, ist wohl nur einem grandiosen Missverständnis zu verdanken. Denn wenn ihr etwas auf der Bühne fehlt, dann ist es Sexappeal. Und so agiert sie weder als tolldreistes Superweib noch als romantisches Schneewitchen. Vor allem fällt sie als mannshohe Barbiepuppe auf, die keck ihre Kurven zur Schau trägt und permanent die Kleider wechselt: Mal trägt sie einen engen Rock in Türkis, dann wieder ein luftiges Nachthemd in Unschuldsweiß oder gar nur einen Büstenhalter. Und wenn sie den Gatten an ihrem barocken Dekolleté herumnesteln lässt, dann scheint sie lediglich ihr eigenes Medien-Bild zu parodieren.

Hermann Lause spielt den Ehemann Heinrich Krull, der vom säuselnden Lüstling zum verkniffenen Despoten mutiert und in einer Mischung aus Egoismus, Unterwerfung und drolliger Aufgeregtheit seine Familie zugrunde richtet. Obwohl er ein weiteres Mal sein Talent als Komödiant unter Beweis stellt, kann er den Abend vor dem Absturz ins Gemächliche nicht retten. Was an Regisseur Anselm Weber liegt, der das Stück in den Mief des Wirtschaftswunders der fünfziger Jahre verlegt, ohne das plausibel zu machen. Und auch die Bühne - ein triste Tapetenwand mit fünf klappernden Türen - taugt leider nicht zur Demontage all dieser Spießer und Schlüssellochgucker. Schade.

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