Fichtners Tellergericht: Restaurant-Rankings? Papierkorb! - DER SPIEGEL
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Fichtners Tellergericht Restaurant-Rankings? Papierkorb!

Gulasch aus der Dose, Lachspamps aus der Tube - bei diesen Scheußlichkeiten des Fast-Food-Alltags bleibt dem SPIEGEL-ONLINE-Besseresser Ullrich Fichtner die Spucke weg. In seiner Kolumne spießt er Unarten der Esskultur auf. Heute: Die angeblich 50 besten Restaurants der Welt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ranking ist ein schönes Spiel, jeder weiß das. Es macht Spaß, die eigene Meinung zu überprüfen, wenn eine Miss gewählt oder der "erotischste Mann" gekürt wird, man schaut sich die Listen an und kann sich befragen, ob der eigene Geschmack der Masse folgt oder eben nicht. Beim Essen ist das nicht so einfach, zumal wenn es um die "50 besten Restaurants der Welt" geht.

Sie werden jedes Jahr bestimmt von einer großen Fachjury, die Sause wird bezahlt von San Pellegrino, und nun ist es wieder soweit, die Wahl ist gelaufen, and the winner is: "El Bulli", Ferran Adrias Haus an der Costa Brava, wo sie alles in Schäume und Eiscreme verwandeln, in Bayern sagt man: "Wer’s mag…". Aber so oder so, das "El Bulli" ist zum zweiten Mal hintereinander "S. Pelegrino World’s Best Restaurant".

Ich kann es, leider, nicht beurteilen, denn erstens war ich noch nicht da, und zweitens fehlen mir die Möglichkeiten zum Vergleich. Ja, wenn man Zeit hätte! Und kofferweise Geld! Dann könnte man sich bewirten lassen im "Fat Duck" in England (Platz 2), dann könnte man alle halbe Jahre dinieren bei Pierre Gagnaire in Paris (Platz 3), dann könnte man einen Abstecher wagen nach Sydney ins "Tetsuya" (Platz 5), zu "Noma" in Kopenhagen (Platz 15), aber in Wahrheit muss man gar nicht so viel reisen. Man kann es sich schenken.

Die Pellegrino-Liste ist bei Licht betrachtet ein Witz, und ein schlechter dazu. Wenn ich richtig gezählt habe, finden sich 13 der angeblich besten 50 Restaurants in Frankreich, acht in den USA, sieben in Großbritannien, und in Italien und Spanien jeweils sechs, womit schon einmal 40 Plätze vergeben wären, verteilt auf gerade mal fünf Länder. Japan? Fehlanzeige. China? Nix. Thailand? Null. Deutschland? Aber woher!

Asien, der unbekannte Kontinent

Ehrlich, ich habe mich beim Lesen am Ende richtig geärgert. Da kommt dieser Sprudelfabrikant daher und vermarktet seinen Namen auf dem Trittbrett großer und kleinerer Köche – und alle spielen mit. Aber auf Platz 50 zum Beispiel steht "Les Ambassadeurs" in Paris, da war ich neulich aus Zufall, und das Essen war gut, vielleicht war es sehr gut, aber niemals wäre ich auf die Idee gekommen, in einem der besten Restaurants der Welt zu sitzen.

Das Reich des Essens ist größer, viel größer geworden, als es diese Liste glauben machen will. Sie führt kein einziges Restaurant aus Asien, so als wäre Tokio gerade ausradiert worden, Chinas Ostküste inexistent, Indonesien im Pazifik versunken. Aber überall dort kann man fantastisch essen, unvergesslich, in Lokalen so schön, dass man Weinen möchte. Wie kann Asien, komplett, als Kontinent, in dieser Liste fehlen?

Und Deutschland: Ich meine, gewiss, wir müssen uns nicht allzu sehr in die Brust werfen für unsere kulinarischen Verdienste. Aber die Gebrüder Müller, Heinz Winkler, Harald Wohlfahrt und andere – es gibt auch bei uns Großmeister am Herd, und ohne Zweifel sind sie mindestens genauso gut wie ihre Kollegen von "Les Ambassadeurs" in Paris, mögen ihre Restaurants auch nicht in üppigen alten Stadtschlössern residieren.

Für die Pellegrino-Liste gilt somit: Ablage Papierkorb! Sie ist so wertvoll wie ein Atlas, in dem Amerika fehlt. Und das kann ja, bei aller Liebe, nicht sein. In diesem Sinne: Guten Appetit und gute Nacht!

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