Finanznot: Bund bremst Bau des Berliner Stadtschlosses - DER SPIEGEL
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Finanznot Bund bremst Bau des Berliner Stadtschlosses

Der Bundestag hat die Pläne zum Bau des Berliner Stadtschlosses nach Informationen des Berliner "Tagesspiegels" vorerst auf Eis gelegt. Hintergrund sei die Explosion der Kosten und die unsichere Finanzierung.
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Berlin - Im Haushaltsausschuss des Bundestages erhielt Verkehrsminister Tiefensee (SPD) nach Informationen des "Tagesspiegels" keine Genehmigung zum Start des Architektenwettbewerbs für das sogenannte Humboldt-Forum. Grund dafür sei ein neuer Bericht der Bundesregierung, der davon ausgehe, dass die Kosten des Schlosses insgesamt - und damit auch für den Bund - weit höher liegen als ursprünglich geplant.

Nach übereinstimmenden Medienberichten werden die Gesamtkosten inzwischen auf mehr als 600 Millionen Euro geschätzt. Für die Erstausstattung müssten demnach 72 Millionen Euro bereitgestellt werden. Bisher war von 480 Millionen Euro die Rede. 32 Millionen davon steuert Berlin bei.

Kritik gab es im Ausschuss nach Informationen des "Tagesspiegels" auch an der geplanten Beteiligung anderer Finanziers beim Schlossneubau. Die Parlamentarier hätten in erster Linie die Belastbarkeit der Zusagen sowohl des Landes Berlin als auch des Spendensammlers Wilhelm von Boddien gerügt. Von Boddien hatte dem Bund versprochen, zur Errichtung der historischen Schlossfassade bei privaten Spendern insgesamt rund 80 Millionen Euro einzusammeln.

Ob das gelingen wird, daran zweifelten die Ausschussmitglieder nach der Vorlage des Berichtes von Verkehrsminister Tiefensee und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), schreibt das Blatt. Die Bundesregierung müsse den Abgeordneten nun im Herbst einen neuen Bericht zur Kostenplanung vorlegen. Erst dann, so beschloss es der Haushaltsausschuss mit Koalitionsmehrheit, könne der Minister den Architektenwettbewerb ausloben. Tiefensees Pläne gingen bisher von einem Starttermin für den Wettbewerb im November aus.

Erst im Juli hatte die Bundesregierung grünes Licht für das Humboldt-Forum gegeben. Die Bebauung des Platzes mit der Außenfassade des alten Hohenzollernschlosses solle "Schaufenster des Weltwissens" sein und außereuropäische Kulturen erlebbar machen, sagte Tiefensee damals. Das Konzept passe gut zur Museumsinsel gegenüber. Kultur-Staatsminister Bernd Neumann (CDU) begrüßte das vom Kabinett verabschiedete Konzept, das Humboldt-Forum werde "ein einzigartiges Universum der Künste und Weltkulturen bilden", sagte der Minister.

Derzeit wird auf dem Areal der Palast der Republik abgerissen, auf den Internetseiten des Schlossplatzes kann man per Webcam den aktuellen Zustand verfolgen. Nach Tiefensees Konzept wird von dem im Jahr 1950 gesprengten Stadtschloss nur die historische Fassade rekonstruiert. Das Gebäude war im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt worden.

reh/ddp

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