Folter-TV Channel Four plant Guantanamo-Show
Sieben Freiwillige setzen sich 48 Stunden lang in einem Londoner Lagerhaus extremen Temperaturen, Schlafentzug und mildem körperlichen Druck aus: Dies soll Mitte März in einer Folge einer vierteiligen Serie über Folter beim britischen Sender "Channel Four" zu sehen sein. Das Experiment mit dem Titel "Guantanamo Guidebook" ist bereits abgedreht. Dabei wurden bekannt gewordene Techniken von US-Verhörspezialisten eingesetzt. Teilnehmer wurden zeitweise vollständig entkleidet sowie religiös und sexuell gedemütigt.
Die Probanden für die Quälshow fand man mit Hilfe einer Zeitungsannonce. Darin wurde unter anderem gefragt, wie "hart" die Teilnehmer seien. Sie wurden zunächst untersucht und während sowie nach der Aufzeichnung weiterhin medizinisch und psychologisch betreut. Drei von ihnen sind Muslime. Vor der Aufzeichnung wurde allen detailliert mitgeteilt, was sie erwartet. Einer der Freiwilligen stieg nach sieben Stunden wegen Unterkühlung aus dem Projekt aus. Zwei weitere mussten sich innerhalb der 48 Stunden übergeben.
Mit seiner Berichterstattung sorgt Channel Four immer wieder für Kontroversen. So strahlte der Sender vergangene Woche ein Interview mit Schamil Bassajew, dem tschetschenischen Rebellechef und Planer der Geiselnahme in Beslan, aus. Die Verhör-Show solle nun untersuchen, ob der Einsatz von Folter im "Kampf gegen den Terror" gerechtfertigt sei. Ziel sei zu klären, "inwiefern die Werte der westlichen Gesellschaft vom Einsatz dieser Folter unterminiert werden", erklärte eine Sprecherin der Fernsehanstalt.
Menschenrechtsschützer zeigten sich von der Idee begeistert. Die Sendung könne ein sinnvoller Weg sein, die verhängnisvollen Folgen von angeblich harmlosen Methoden wie Schlafentzug aufzuzeigen, gab der Londoner Chef der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch, Steve Crawshaw, zu bedenken. "Die US-Regierung fasst den Begriff Folter sehr eng. Sie vermeidet dabei die übliche Definition, die auch eine 'grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung' von Menschen dazu zählt." Die Show werde zeigen, dass schon verhältnismäßig milde Folter ernsthafte Schäden hinterlassen könne, hofft Crawshaw.