Fotograf Robert Capa: "Er war gegen den Krieg" - DER SPIEGEL
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Fotograf Robert Capa "Er war gegen den Krieg"

Der gebürtige Ungar Endre Ernó Friedmann wurde als Robert Capa zum berühmtesten Kriegsfotografen der Welt. Dass der Mitbegründer der legendären Agentur Magnum auch im Frieden brillante Bilder machte, zeigt eine große Capa-Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau.
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Berlin - Sein Leben ist geprägt von der größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts, dem Zweiten Weltkrieg, und gleichzeitig hat er diese meisterlich fotografisch dokumentiert. Bis heute gilt Robert Capas im September 1936 erstmals veröffentlichtes Foto "Death of a loyalist Soldier" als berühmtestes Bild der Kriegsfotografie. Auch seine Bilder von der Invasion der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 sind Klassiker der Fotohistorie. Gleichzeitig aber sagte Capa einmal den schönen Satz: "Der brennendste Wunsch eines Kriegsfotografen ist der nach Arbeitslosigkeit."

Rund 300 Fotografien Capas sind ab morgen in einer großen Retrospektive im Berliner Gropiusbau zu sehen. Die Ausstellung wurde von der Bibliothèque nationale de France produziert und bis Ende vergangenen Jahres mit großem Erfolg in Paris gezeigt; in jener Stadt also, wo der 1913 als Endre Ernó Friedmann in Budapest geborene junge Mann sich Mitte der dreißiger Jahre seinen amerikanisch klingenden Künstlernamen zulegte und als Fotograf reüssierte.

Zuvor hatte Friedmann in Berlin Politik studiert und hier von 1932 bis Anfang 1933 zunächst als Laborant, dann als Fotograf bei der Agentur Degephot gearbeitet; doch angesichts der Machtübernahme der Nazis war er nach Frankreich weitergewandert. Wie Dutzende anderer Fotografen ging Capa, der mit der Linken sympathisierte, 1936 nach Spanien, um den Bürgerkrieg zu dokumentieren, und schoss dort, nahe Cordoba, jenes Foto "Death of a Loyalist Soldier", das ihn mit einem Schlag bekannt machte.

Capa, den die britische Illustrierte "Picture Post" daraufhin zum "besten Kriegsfotografen der Welt" adelte, galt als extrovertierte, faszinierende Figur. Wenn er Geld hatte, verspielte er es beim Poker. Sein überwältigender Charme sicherte ihm nicht nur Erfolg bei Frauen wie der Schauspielerin Ingrid Bergman, sondern auch die Freundschaft von Männern wie Ernest Hemingway. Er war ein Abenteurer und Draufgänger und prägte die berühmte Devise der Kriegsfotografen: "Wenn Deine Bilder nicht gut genug sind, warst Du nicht nahe genug dran."

Nachdem Capa für das amerikanische Magazin "Life" den Bombenkrieg der deutschen Luftwaffe gegen England, den Wüstenkrieg in Nordafrika und das Übersetzen der Alliierten nach Sizilien fotografiert hatte, gehörte er zu den vier Fotografen, die am 6. Juni 1944 mit der "ersten Welle" der alliierten Truppen bei der Invasion in der Normandie an Land gehen durften. Er war bei der amerikanischen Kompanie E "embedded", die im Morgengrauen an jenem Strand mit dem Decknamen "Omaha" an Land waten musste, wo das deutsche Feuer am intensivsten war.

Mit zwei Contax-Kameras machte Capa 106 Aufnahmen und schickte die Filme sofort nach London, wo sie ein junger Laborant entwickelte. Da dieser aber in der Aufregung und unter Zeitdruck den Trockenschrank überhitzte, schmolzen die Negative bis zur Unkenntlichkeit zusammen - alle bis auf elf. Die erhaltenen Bilder wurden gleichwohl zu Klassikern der Kriegsfotografie.

1947 gründete Capa in New York zusammen mit Henri Cartier-Bresson, George Rodgers, Bill Vandivert und David Seymour die Fotografenagentur Magnum - eine chaotische Familie von Künstlern und Exzentrikern, die den Fotojournalismus tief beeinflusst hat.

Deutsche Fotohistoriker klagen gerne darüber, dass Capa und andere Fotografen seiner Generation ihre eigenen Legenden gestrickt hätten. Das mag sein, doch sie waren und bleiben die Erfinder eines Fotojournalimus, der Kunst und Fotografie auf unterschiedlichste Form vereint, der vor allem Partei ergreift und im Krieg kaum blitzende Waffen und harte Helden zeigt, sondern Menschen.

Die Schau in Berlin zeigt jetzt auch etliche der "zivilen" Fotos von Capa: Bilder des exilierten russischen Kommunisten Trotzki, die er noch für die Berliner Agentur Degephot machte; eine Fotoreportage der "Tour de France" des Jahres 1939 oder Porträts von Pablo Picasso und Henri Matisse.

Doch auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, den Capa in Deutschland erlebte, konnte er nicht vom Drama des Krieges lassen. Im Mai 1954 reiste er nach Vietnam, um den Kampf zwischen den französischen Kolonialtruppen und den von Ho Tschi Minh angeführten Freiheitskämpfern zu dokumentieren. Unterwegs mit einer französischen Patrouille erklomm er bei Thai Binh einen Damm zwischen zwei Reisfeldern, um einen besseren Blickwinkel zu bekommen - und wurde von einer Mine getötet.

Als er in Washington D.C. auf dem Nationalen Heldenfriedhof in Arlington begraben werden sollte, verhinderte das seine Mutter. "Nicht mein Sohn", sagte sie. "Er war gegen Krieg."


Robert Capa - Retrospektive

22. Januar bis 18. April 2005 im Berliner Martin-Gropius-Bau.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag 10 - 20 Uhr, Dienstag geschlossen