Fotografie Bilder aus der Seele Afrikas
"Afrika", sagt Okwui Enwezor, "darf nicht länger ein ursprünglicher, psychosexueller Gegenstand der Tag- und Alpträume der Europäer sein". Der aus Nigeria stammende Chef der Kasseler Kunstmesse "documenta" bringt auf den Punkt, worum es bei der Wanderausstellung "Flash Afrique" geht. Westafrika, das Zentrum der afrikanischen Fotografie-Szene, dient als Reservoir für eine beeindruckende Schau, die mit Klischees aufräumen will, indem sie schlicht auf Selbstdarstellung setzt.
Philip Kwame Apagya: "Auntie Monica's Bathroom", 2000
Foto: Philip Kwame Apagya
Bouna Medoune Seye: "Les trottoirs de Dakar"
Foto: Bouna Medoune Seye
Dorris Haron Kasco: "Les Gamins d'Abidjan", 1995
Foto: Dorris Haron Kasco
Wilde Straßenszene: Fotografie von Boubacar Touré Mandémory, 2000
Foto: Boubacar Touré Mandémory
Dorris Haron Kasco: "Les fous d'Abidjan", 1990-93
Foto: Dorris Haron Kasco
Malick Sidibé: "Danseur Meringué", 1964
Foto: Malick Sidibé
Philip Kwame Apagya: "Booming Internet", 2000
Foto: Philip Kwame Apagya
Porträt von Seydou Keita, 1959: Selbstwert und Selbstverständnis in vielerlei Codes und Signalen
Foto: Seydou Keïta; C.A.A.C./ The Pigozzi Collection, Geneva
Dokumentation afrikanischer Lebensart: Fotografie von Boubacar Touré Mandémory, 2000
Foto: Boubacar Touré Mandémory
So speist sich "Flash Afrique" zum einen aus klassischen Studio-Porträts von renommierten Künstlern wie Seydou Keïta oder Philip Kwame Apagya, zum anderen aus dokumentarischen Arbeiten, Straßenszenen, Partys und Momentaufnahmen von Malick Sidibé oder Bouna Medoune Seye aus Dakar.
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Die Schau spannt einen Bogen zwischen Schwarzweiß-Aufnahmen aus den fünfziger Jahren bis zu modernen Farbbildern der Neuzeit und will Afrika nicht den "polizeilich bewachten Kolonien des westlichen Begehrens einsperren", wie es der afrikanische Theoretiker Olu Oguibe im Pressetext der Ausstellung formuliert, sondern eine von vielen möglichen Geschichten des "schwarzen Kontinents" erzählen, die ausnahmsweise nicht aus westlicher, europäischer Sicht erzählt wird.
Dem Besucher der Schau, die nach Lissabon, Washington, Paris, Berlin, Wien nun auch in Düsseldorf im Rahmen des NRW Forums zu sehen ist, wird empfohlen, besonders die Studioporträts genau unter die Lupe zu nehmen. Im Gegensatz zur westlichen Variante dieses längst überholten Genres, geht es den westafrikanischen Fotokünstlern stets um mehr als bloße Abbildung. Ihre ausgefeilten Momentaufnahmen verfügen über vielerlei Codes und Signale, die das Selbstverständnis und die Selbstwahrnehmung des jeweiligen Modells abbilden und dienen den Menschen nicht nur zum Schmuck der Familienkommode, sondern vielmehr noch zur Selbstvergewisserung in Zeiten der Entwurzelung. Mit dem Kameraobjektiv begeben sich die Afrikaner auf die Suche nach der eigenen Identität.
"Flash Afrique", bis zum 7. April im NRW Forum für Kultur und Wirtschaft, Düsseldorf