Gedenken an Frank Schirrmacher "Er lebte über seine Kräfte"
Stelzner, Schadt, Gauck, Bouffier, Feldmann (von links): "Überwältiger"
Foto: Thomas Lohnes/ Getty ImagesFrankfurt - Mit nur 29 Jahren hatte Frank Schirrmacher die Leitung des Feuilletons der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" übernommen, mit 34 Jahren wurde er Herausgeber. Er war ein universal denkender Zeitdiagnostiker mit Breitenwirkung, ein intellektueller Publizist und Zeitungsmacher. Am 12. Juni dieses Jahres war Schirrmacher unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben. Er wurde 54 Jahre alt.
An diesem Freitag wäre Schirrmacher 55 geworden. Um ihn zu ehren haben sich Bundespräsident Joachim Gauck, der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sowie weitere Politiker und Vertreter der Medien, Kunst und Kultur zusammengefunden. In der Frankfurter Paulskirche gedachten sie Schirrmacher.
Der Vorsitzende des Herausgeber-Gremiums der "FAZ", Holger Steltzner, nannte Schirrmacher einen "Überwältiger". Er habe die Zeitung zu einer Bühne für die großen gesellschaftlichen Fragen gemacht. "Er hat für diese Zeitung gelebt. Und er lebte dabei über seine Kräfte, wie wir heute wissen."
"Frank Schirrmacher war der klügste Kopf im ganzen Land", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, "ein feuerköpfiger Vordenker". Die jüdische Gemeinde habe "einen leidenschaftlichen Freund und herausragenden Weggefährten" verloren.
Schirrmacher sei "ein großer Visionär" gewesen, sagte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht urteilte: "Er war die zentrale Kraft in diesem Land, der die deutsche Öffentlichkeit lebendig und wach hielt."
Bouffier würdigte Schirrmacher als "leidenschaftlichen Intellektuellen": "Wir verneigen uns mit Dank, Respekt und Hochachtung vor einer großen Persönlichkeit."