Frosch-Sounds: Quaken statt Rocken - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Frosch-Sounds Quaken statt Rocken

Sie singen nur live, lieben feuchte Nachtlager und lassen sich stilistisch nur schwer einordnen. Trotzdem sind sie die neuen Stars in den Pop-Charts des US-Bundesstaats New Jersey: Der neue Verkaufsschlager im amerikanischen Osten ist eine CD mit waschechten Froschgesängen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Trenton, US-Bundesstaat New Jersey - Eigentlich sollte die CD mit den Froschstimmen eine Art Lernprogramm für Amphibien-Fans und freiwillige Helfer der staatlichen Naturschutzbehörde sein. In kurzer Zeit wurde die CD mit dem wenig aufregenden Titel "Calls Of New Jersey Frogs And Toads" jedoch zum Bestseller. 38 "Songs" sind auf dem Tonträger, 16 verschiedene Frosch- und Kröten-Arten quaken ihre unnachahmlichen Soli, für den versierten Fan natürlich leicht auseinander zu halten.

Wer dazu auch wissen möchte, wie die hüpfenden Sangeskünstler aussehen, kann zusammen mit der CD ein Buch erwerben. Das Thema: Amphibien und Reptilien in New Jersey. 89 Seiten voller Informationen über Lebensgewohnheiten, Vermehrung und Aufzucht der glitschigen Tiere enthält das Kompendium, 100 Farbfotos zeigen die stimmgewaltigen Frösche in ihrem Element.

Die erste Auflage der CD "Rufe von New Jerseys Fröschen und Kröten", immerhin 1000 Stück, ging innerhalb von zehn Wochen über den Ladentisch. Völlig überrascht über den unerwarteten Ansturm legte die Naturschutzbehörde sofort nach: Eine zweite Auflage von 2000 Stück soll in Kürze in den Regalen stehen.

"Es ist wirklich aufregend. Wir hätten niemals erwartet, dass die CD so erfolgreich ist", sagte Linda Tesauro, Direktorin der staatlichen Umweltschutzstiftung, im "Philadelphia Inquirer". Dabei hatte die Unterabteilung für gefährdete Arten ihre liebe Mühe, die neuen Popstars auf Tonträger zu bannen.

Obwohl sich sogar die größten (menschlichen) Stars für ihre Aufnahmen ins Studio bequemen müssen, lassen sich New Jerseys Frösche gerne hofieren: Die Forscher schlichen mit ihren Aufnahmegeräten durch die Wälder und an die Seen und Flüsse des Bundesstaats, um die Stimmen ihrer Künstler einzufangen.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Für die Behörde ist das populäre Froschgequake nicht nur ein finanzieller Erfolg. Denn was den Umweltschützern viel wichtiger ist: Die Menschen befassen sich offenbar wieder mehr mit der Natur.