Fußball-Theater: Ein Traum in Schwarz-Gelb - DER SPIEGEL
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Fußball-Theater: Jenseits von Otto Torhagel

Foto: Stage Picture

Fußball-Theater Ein Traum in Schwarz-Gelb

Was bleibt nach dem Verlust von Kohle, Stahl und Bier? Der BVB! Der Lokalmatador Bruno Knust inszeniert im städtischen Theater die Revue zum 100. Geburtstag von Borussia Dortmund.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Lokalrivale hat sich zum 100. Geburtstag ein Musical komponieren lassen, da kann die Borussia natürlich nicht nachstehen. Was den Schalkern recht ist, ist Dortmund nur billig: Im Dezember wird der Verein 100 Jahre alt (zu erkennen an der 09 im Wappen), schon am Samstag feiert im Theater der Stadt die große Revue zum Jubiläum Premiere. Titel: "Leuchte auf mein Stern Borussia".

Der Cheftrainer der Veranstaltung ist niemand anders als Bruno Knust, seit gestern 55, in Dortmund weltberühmt als "Günna": Kabarettist, Kolumnist, ehemaliger Stadionsprecher im Westfalenstadion, dreifacher Dauerkartenbesitzer, natürlich gebürtiger Dortmunder. Er ist der Regisseur des Ganzen und hat auch Texte geschrieben. "Wir singen nicht einfach die bekannten Stadionhymnen ab", sagt er, "sondern haben neue Lieder komponiert. Hoffentlich ist eine neue Hymne dabei."

Knust will mit seiner Revue "Fußballfans zu Theaterfreunden machen und umgekehrt". Keiner müsse Borussia-Experte sein, um inhaltlich mitzukommen, "es geht um das Lebensgefühl". Sein Stück sei auch eine kleine Zeitreise, von den Anfängen bis in die Zukunft des Vereins.

Die Reise beginnt in der Kaiserzeit - am 19. Dezember 1909 gründen 18 Männer in einer Kneipe den "Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund" - und geht bis ins Jahr 2019: Knusts Zukunftsvision ist, dass der Verein die ganze Stadt beherrscht. Alles nur noch schwarz-gelb. Ist das Traum oder Alptraum für ihn? "Ohne Anwalt würde ich diese Frage nicht beantworten", sagt der Kabarettist. Tatsache sei aber, dass von den vier Säulen der Stadt - Kohle, Stahl, Bier und die Borussia - nur eine geblieben sei.

Natürlich gibt es auch traumatische Ereignisse, die zu verarbeiten sind. Knust nennt das Bundesliga-Saisonfinale von 1978, das - Fans muss man das nicht wiederholen - Dortmund 12:0 gegen Borussia Mönchengladbach verlor. Es war der letzte Arbeitstag von Otto Rehhagel in Dortmund, er nahm den Spitznamen Otto Torhagel mit.

Ob er trotzdem zur Premiere kommt? Angekündigt haben sich jedenfalls der Trainer, einige Sponsoren - ohne die geht auch hier gar nix - und "die Spieler, die unsere Sprache verstehen", sagt Knust.

Und wir dachten, die Sprache des Fußballs versteht jeder.


Leuchte auf mein Stern Borussia. Uraufführung am 5.9. im Theater Dortmund . Auch am 6., 12., 13., 20. und 27.9., Tel. 0231/502 72 22.