Gefälschter Rothko US-Milliardär verklagt Kurator wegen falscher Expertise
(Echter) Rothko bei Sotheby's: Fälschung für 7,2 Millionen Dollar verkauft
Foto: CHIP EAST/ REUTERSNew York - Hat ein Kunstexperte eine Fälschung als echt dargestellt? Der US-Milliardär Frank Fertitta III. ist dieser Meinung und hat den Schweizer Oliver Wick vor einem Bundesgericht in New York verklagt, weil der die Echtheit eines Gemäldes des US-Malers Mark Rothko bestätigt hatte, das sich später als gefälscht herausstellte. Fertitta verlangt jetzt Schadensersatz in Höhe von 8,6 Millionen Dollar und Bußgelder.
Der Rothko-Experte Oliver Wick sei sich der "bedeutenden Hinweise" bewusst gewesen, wonach es sich bei dem Rothko um eine Fälschung handelte, habe aber "keine unabhängigen Nachforschungen" zu seiner Echtheit angestellt, heißt es in Gerichtsdokumenten. Dennoch habe der Kurator und Experte für Kunstgeschichte in seiner Expertise an den Käufer geschrieben: "Ich bestätige, dass dieses Werk dem Team vorgelegt wurde, alles ist vollständig in Ordnung, sonst wäre ich nicht involviert. Ich bürge dafür mit meinem Namen als Rothko-Experte."
Wick erhielt von der New Yorker Galerie Knoedler, die das Werk "Untitled (Orange, Red and Blue)" im Jahr 2008 verkaufte, laut Gerichtsunterlagen 300.000 Dollar. Das Gemälde war für 7,2 Millionen Dollar an Fertitta verkauft worden. Zuvor war es im Museum der Fondation Beyeler in Basel ausgestellt worden, wo Wick einer der Kuratoren war. Der angebliche Rothko war Teil einer ganzen Serie gefälschter Gemälde, die von einem chinesischen Maler im New Yorker Stadtteil Queens hergestellt und über einen Zeitraum von 14 Jahren für insgesamt rund 80 Millionen Dollar verkauft worden waren.
Angeblich handelte es sich um Bilder von Rothko, Jackson Pollock, Robert Motherwell, Franz Kline und Willem de Kooning. Der Betrug flog 2009 auf, 2011 wurde die Galerie Knoedler, von der die meisten Fälschungen verkauft worden waren, abrupt geschlossen. Die Kunsthändlerin Glafira Rosales, die die Kunstwerke von dem chinesischen Maler erworben und an Galerien verkauft hatte, bekannte sich im September schuldig. Ihr drohen mehrere Jahrzehnte Haft.