Geraubte Munch-Bilder: Kunst-Handel mit Gangster - DER SPIEGEL
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Geraubte Munch-Bilder Kunst-Handel mit Gangster

Kunsthandel hat ein neues Gesicht. Es gehört einem norwegischen Gangster, der einsitzt und womöglich einen Coup gelandet hat: Munch-Bilder gegen Hafterleichterung.
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Oslo – Die Bilder wurden vor zwei Jahren während der regulären Öffnungszeiten von zwei maskierten und bewaffneten Männern im Munch-Museum vor zahlreichen Augenzeugen von der Wand gerissen. Seitdem fehlte von den weltberühmten Bildern "Der Schrei" und "Madonna" jede Spur. Je länger der Raub zurücklag, desto größer wurde die Sorge, dass die Räuber ihre Beute zur Verwischung der Spuren zerstört haben könnten. Auch die Verurteilung dreier Tatbeteiligter zu acht, sieben und vier Jahren Haft erbrachte keine Hinweise auf den Verbleib der Bilder.

Vor wenigen Tagen bahnte sich die Wende an. Medienberichten zufolge sind der norwegischen Polizei die Bilder von einem inhaftierten Kriminellen nach einem Tauschgeschäft geliefert worden. Danach soll der wegen Bankraub zu 19 Jahren Haft verurteilte David Toska Tipps zum Auffinden der Bilder gegeben haben, nachdem ihm die Fahnder Hafterleichterungen und Strafmilderung zusicherten. Toska habe verlangt, dass gegen ihn wegen zweier weiterer Überfälle keine Anklage erhoben werde.

Fahnder und Kenner der norwegischen Unterwelt gaben sich schon sehr früh nach dem aufsehenerregenden Kunstraub sicher, dass die beteiligten Unterweltkreise eigentlich wenig Interesse an den Bildern selbst oder an einem illegalen Deal mit möglichen Käufern hatten. Zumal die Bilder als unverkäuflich galten.

Vielmehr sei es um ein Ablenkungsmanöver gegangen: Der spektakuläre Kunstraub sollte die Aufklärung eines von Toska organisierten Raubes im südnorwegischen Stavanger durch anderweitige Bindung von Polizeikräften behindern. Der Raub in Stavanger geschah vier Monate vor dem Kunstraub im Osloer Museum. Bei dem Überfall auf eine Geldzentrale mit 13 schwer bewaffneten Männern starb ein Polizist im Kugelhagel. Sieben Millionen Euro wurden bei dem Überfall im Stil von Hollywood-Gangsterfilmen erbeutet.

Toska wurde bereits im Frühjahr 2005 in Spanien festgenommen und im September mit zwölf anderen Mitangeklagten verurteilt. Er gilt als Kopf der Bande. Schon während des Prozesses warteten Experten gespannt, ob der Verbleib der Kunstwerke als Pfand gegen Hafterleichterung ins Spiel kommen würde. Doch Toska nahm die Höchststrafe von 19 Jahren schweigend in Kauf. Als einziger der Verurteilten legte er jedoch Berufung ein. Möglicherweise mit den beiden Munch-Bildern als Faustpfand im Hinterkopf? Die Berufungsverhandlung steht noch aus. Toska will angeblich verhindern, dass seine Strafe in lebenslang verschärft wird.

Der 31-Jährige gilt als mächtigster Mann im organisierten kriminellen Milieu Norwegens. Es habe wohl schon seit Monaten geheime Verhandlungen gegeben, bei denen Toskas Anwalt die zunächst verlangte Minderung des Strafmaßes nicht durchsetzen konnte. Die Polizei wollte zu diesen Vermutungen bislang keinen Kommentar abgeben.

Schon "sehr bald" sollen die beiden Bilder wieder an ihren angestammten Plätzen im Osloer Munch-Museum zu sehen sein, verkündete der norwegische Kulturminister Trond Giske gestern Abend. Die Museumsdirektorin teilte heute mit, die von Experten untersuchten Beschädigungen an den weltberühmten Kunstwerken seien so gering, dass "normale Museumsbesucher sie wahrscheinlich überhaupt nicht bemerken". Die vollständige Ausbesserung werde allerdings Monate dauern. Der Wert der Gemälde wird auf knapp 100 Millionen Euro geschätzt.

Die Kunstwerke wurden gestern von der Polizei aufgespürt und sichergestellt. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, seien sie "in einem ziemlich guten Zustand" übernommen worden. Es sei kein Lösegeld oder Finderlohn gezahlt worden. Das Osloer Munch-Museum bestätigte wenige Stunden später die Echtheit der beiden Bilder.

nkl/dpa/dpa-AFX

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