Gestohlene Kunst: Picasso-Eigentümer verzweifelt gesucht - DER SPIEGEL
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Gestohlene Kunst Picasso-Eigentümer verzweifelt gesucht

Picasso, Giacometti, Redon - ein New Yorker Kunstsammler hatte wertvolle Gemälde in seinem Besitz. Allerdings nicht legal, wie sich nach seinem Tod herausstellte: Viele waren gestohlen, der Mann entpuppte sich als Hochstapler. Das FBI fahndet jetzt nach den Eigentümern von 137 Werken.
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New York - Er kannte sich aus in der besseren Gesellschaft. Er bewohnte eine Wohnung in Manhattan, hatte Freunde aus der High Society und einen Picasso unterm Bett. Der "Guardian" berichtet von der kuriosen Hinterlassenschaft eines Mannes namens William M. W. Kingsland. Nach seinem Tod fand man in seiner Wohnung rund 300 Kunstwerke - viele davon waren allerdings gestohlen, wie sich schnell herausstellte. Jetzt beschäftigt sich das FBI mit dem Fall.

Kingsland, von Beruf Ahnenforscher, starb 62-jährig im März 2006. Unter seinen Kunstschätzen befanden sich Kostbarkeiten von Alberto Giacometti, Pablo Picasso und Odilon Redon. Teilweise lagen sie gestapelt unter dem Bett, eine Büste von Giacometti benutzte der Kunstsammler als Türstopper - ihr Wert liegt laut "Guardian" bei rund einer Million Dollar.

Da Kingsland kein Testament hinterlassen hatte, wurden die Kunstwerke zwei Auktionshäusern zum Verkauf übergeben. Danach wurde die Geschichte um den Kunstsammler und seine Schätze laut "Guardian" immer mysteriöser. Es begann mit einem Galeristen, der ein Porträt des zweiten Earl of Bessborough, gemalt von John Singleton Copley, kaufte. Der Preis: 85.000 Dollar. Als der neue Besitzer nach der Herkunft seines Bildes forschte, kam heraus: Das Porträt war 1971 der Harvard Universität gestohlen worden.

Dieser Fall brachte die Kunstdiebstahl-Spezialisten vom FBI ins Spiel. Unter den hinterlassenen Kunstwerken fanden sie schnell andere mit krimineller Herkunft: Die besagte Büste von Giacometti, oder ein kleines Bild von Giorgio Morandi. Oder auch zwei Werke von Picasso, gestohlen im Jahr 1967 aus einer New Yorker Galerie. Besonders absurd: Als die FBI-Männer zu diesem Diebstahl ermittelten, waren die Picassos bereits zum zweiten Mal geklaut worden - auf dem Transport von Kingslands Appartement zum Auktionshaus.

Doch auch der tote Kingsland stellte sich immer mysteriöser dar, wie der "Guardian" schreibt. Er gehörte zur besseren Gesellschaft, präsentierte sich als Lebemann, der in der schicken Fifth Avenue residierte. Seine Initialen stünden für Milliken und Vanderbilt, pflegte der Hochstapler Freunden zu erzählen. Nach seinem Tod kam heraus: In Wahrheit hieß er Melvyn Kohn und war der Sohn jüdischer Flüchtlinge aus Europa. Seinen Namen änderte er schon mit 17 - sein eigener war ihm nicht schick genug. In der Fifth Avenue hatte er nie gelebt, sondern in einer weniger feinen Adresse auf der Upper East Side. Auch hatte er nie in Harvard studiert, was er gerne erzählte. Genauso wenig, wie er eine französische Adelige geheiratet hatte.

Bis jetzt hat das FBI 20 gestohlene Kunstwerke identifiziert. Weitere 137 sind zumindest unter Diebstahlverdacht - die Besitzer sind noch nicht gefunden.

bfr