Gestohlene Kunstwerke doch nicht verbrannt - oder nur teilweise? - DER SPIEGEL
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Kunstraub von Rotterdam: Experten glauben an Bilderverbrennung, Mutter bestreitet sie

Foto: BOGDAN CRISTEL/ REUTERS

Kunstraub von Rotterdam Monet und Co. doch unversehrt?

"Ich habe sie nicht verbrannt": Die Mutter eines mutmaßlichen Täters hat vor Gericht ihre frühere Aussage widerrufen, wonach sie die im Oktober 2012 aus der Rotterdamer Kunsthalle gestohlenen Gemälde in einen Ofen geworfen habe.
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Hamburg/Bukarest - Die überraschende Wendung vor dem Bukarester Gericht mag der Kunstwelt wieder ein kleines bisschen Hoffnung geben: Vielleicht sind die sieben in Rotterdam gestohlenen Gemälde doch nicht zerstört. In den Akten der rumänischen Staatsanwaltschaft hatte sich die Aussage von Olga Dogaru gefunden, wonach die 50-Jährige die Bilder verbrannt habe, um Beweismittel gegen ihren Sohn Radu zu vernichten, einen der Hauptverdächtigen im Prozess um den Kunstraub vom Oktober 2012.

Auf Antrag der Verteidigung fand die gerichtliche Anhörung am Montag statt, weil die Angeklagten bis zu Prozessbeginn aus der Untersuchungshaft entlassen werden wollten. Das Gericht lehnte den Antrag allerdings ab.

Olga Dogaru hatte dem Gericht gesagt, sie habe die Geschichte mit der Bilderverbrennung erfunden . "Ich glaubte, dass, was ich damals sagte, in diesem Moment das Beste war", erklärte sie. Auf die Frage, was aus den Kunstwerken geworden sei, stotterte sie allerdings nur und beteuerte, sie habe sie nicht verbrannt.

Die mutmaßlichen Diebe, als deren Anführer Dogarus 29-jähriger Sohn gilt, hatte die Polizei bereits Anfang dieses Jahres festgenommen. Sie haben die Tat auch bereits gestanden. Doch die Gemälde, die aus der Kunsthalle in Rotterdam gestohlen worden sind, blieben verschollen. Rumänische Ermittler gehen davon aus, dass die Werke von Lucian Freud, Paul Gauguin, Henri Matisse, Meijer de Haan, Claude Monetund Pablo Picassoin einem Ofen verbrannt worden sind.

Vor einer Woche hatte sich Olga Dogaru im rumänischen Fernsehen zu Wort gemeldet. Sie sagte, sie habe die Bilder nach der Festnahme ihres Sohnes verbrannt. Die Ermittler hatten daraufhin die Asche aus dem Ofen untersucht. Dort fanden sie Überreste von Farbe, Leinwand und Nägeln. Nach Angaben aus den Niederlanden sind die Gemälde zusammen 50 bis 100 Millionen Euro wert.

Der Leiter des rumänischen Nationalmuseums, Ernest Oberländer-Tarnoveanu, sagte, wenn die Bilder wirklich verbrannt worden seien, dann wäre das ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", wie die BBC weiter berichtet. Auf Forensik spezialisierte Ermittler hätten "Farbstücke und Reste von Leinwand" gefunden sowie Kupfer- und Stahlnägel, die vor dem 20. Jahrhundert hergestellt worden seien, sagte Oberländer-Tarnoveanu.

Diese Indizien haben sich nach Angaben von Gheorghe Niculescu , dem Teamleiter des Nationalen Instituts für physikalische und chemische Ermittlungen, inzwischen erhärtet: "Wir haben überwältigende Hinweise darauf, dass drei der sieben Bilder durch Feuer zerstört wurden", sagte Niculescu der Nachrichtenagentur Reuters.

Sein Institut, das zum Kulturministerium gehört, werde der Staatsanwaltschaft in dieser Woche einen detaillierten Bericht liefern, so Niculescu, der allerdings nicht sagen konnte, welche der Bilder verbrannt seien.

Die Verteidigung sagte, man warte noch auf den offiziellen Bericht der Ermittler, fordere aber eine weitere Untersuchung durch Experten vom Pariser Louvre.

Zu dem plötzlichen Sinneswandel seiner Mandantin sagte Olga Dogarus Anwalt Catalin Dancu, sie habe ihren Sohn schützen wollen und sich von der Staatsanwaltschaft unter Druck gesetzt gefühlt. Was aus den gestohlenen Werken geworden sei, wisse er auch nicht. Aber die Geschichte mit den verbrannten Bildern sei "zu hundert Prozent unwahr gewesen. Sie hat gelogen".

Olga Dogaru hatte in ihrer früheren Aussage erklärt, die Täter seien nach einer ersten Hausdurchsuchung der Polizei in Panik geraten, zudem hätten sie für das Diebesgut keine Käufer finden können. Sie habe die Kunstwerke zunächst in einem verlassenen Haus versteckt und dann auf einem Friedhof vergraben. Später soll sie die Werke ausgegraben und im Badeofen ihres Hauses verbrannt haben - als die Polizei im Februar im Dorf Carcaliu nach den Bildern suchte.

Die Verhandlung soll am 13. August gegen die mutmaßlichen Kunsträuber und ihre Komplizen beginnen. Als Komplizin ist auch Olga Dogaru angeklagt; würde ihr die "Zerstörung mit schweren Konsequenzen" nachgewiesen, wäre nach rumänischem Recht eine Haftstrafe von drei bis zehn Jahren die Folge.

feb/AP/Reuters