Getty-Museum: Her mit der Hehlerware! - DER SPIEGEL
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Getty-Museum Her mit der Hehlerware!

Das kalifornische Getty-Museum versteht sich auf die Kunst - auch auf die Kunst der Schlichtung. 21 geraubte Antiken will man nach langen Verhandlungen Italien zurückerstatten. Wieviel Hehlerware aber hat das Museum wirklich?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Man braucht Geduld für das Getty-Museum. Als Kunstliebhaber, der die umfassende Sammlung des Hauses besichtigen will. Und als Regierung, die sich für die Rückerstattung von Antiken einsetzt, die in Kalifornien vielleicht gut aufgehoben, aber nicht legal dort hingekommen sind. Griechenland zum Beispiel forderte über zehn Jahre lang die Rückgabe wertvoller archäologischer Funde. Erst 2005 kündigte Museumsleiter Michael Brand an, eine Frauenstatue aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert und ein antikes Relief zurückgeben zu wollen.

Auch Italien wartet: Zwar hat man eine griechische Vase, einen dreifüßigen etruskischen Bronzeleuchter und eine Grabstele zurückerstattet bekommen, die Restitution eines Großteils der Antiken steht jedoch noch aus. 52 Objekte, hat das italienische Kulturministerium nachgewiesen, wurden aus Italien geraubt und gelangten über einen mittlerweile verurteilen Kunsthändler nach Amerika. 21 Stücke will der J. Paul Getty Trust nun zurückgeben, wie die "Los Angeles Times" meldet, darunter zwei Marmorstatuen mythologischer Greife, eine Apollo-Statue und eine 2600 Jahre altes Gefäß des griechischen Künstlers Euphronios.

Pointe des Kunstkrimis: Die 52 Stücke sind womöglich nur ein kleiner Teil der geraubten Werke. Einer Untersuchung italienischer und amerikanischer Experten zufolge sollen insgesamt 350 Stücke aus illegalen Grabungen in Kaliforniens erstem Musentempel lagern. Der italienische Kulturminister Francesco Rutelli bat bei den gestrigen Verhandlungen die Getty-Delegierten eine Liste der neu identifizierten Objekte vorzulegen, das Museum selber hält sich bislang bedeckt.

Auch die Rückgabe der 52 Antiquitäten könnte kompliziert werden. Bislang hofft das Museum, die Zahl der Stücke durch ein Entgegenkommen an anderer Stelle begrenzen zu können. Vorbild für diese Idee ist das Metropolitan Museum of Art in New York, das 21 Stücke an Italien zurückgab und dafür langfristige Leihgaben gleichwertiger Stücke von Italien erhalten soll. 

John Biggs, Vorsitzender des Getty Trusts, spekuliert auf eine Einigung, die zugleich Modell sein könnte für kommende Verhandlungen zwischen amerikanischen Museen und italienischer Regierung. Die noch andauernden Gespräche seien geprägt von "gutem Willen auf beiden Seiten" und einer "positiven Grundeinstellung", wie ein Getty-Unterhändler der "Los Angeles Times" verriet. Eine Einigung ist wichtig, zumal "Gettygate", wie der Skandal in Kunstkreisen heißt, die ganze Museumsbranche in Verruf gebracht hat. Unter Verdacht stehen längst nicht mehr nur die Kalifornier, auch das Museum of Fine Arts in Boston soll - ähnlich wie das New Yorker Metropolitan Museum - Hehlerware besitzen.

Für Marion True, langjährige Kuratorin des Getty-Museums und dort für die Antikensammlung zuständig, ist die ganze Entwicklung eher negativ: Die letztes Jahr zurückgetretene Expertin muss sich vor der römischen Justiz als einstige Getty-Kunsteinkäuferin verantworten. Eine Einigung zwischen Museum und Regierung könnte ihre Verteidigung empfindlich treffen.

Korrektur: Wir hatten berichtet, dass Metropolitan Museum habe 21 Kunstwerke an Italien zurückgegeben und sich bereit erklärt, Objekte seiner Kollektion italienischen Museen zu überlassen. Dies ist aber falsch. Tatsächlich hat das amerikanische Museum 21 Stücke zurückerstattet und erhält im Gegenzug Leihgaben aus Italien.