Ghostwriter: Patricia Riekel - Der Pauschalnachruf - DER SPIEGEL
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Ghostwriter Patricia Riekel - Der Pauschalnachruf

Wenn Prominente von uns gehen, erinnert "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel gern in ihrer Kolumne "Mein Bild der Woche" an die Verstorbenen. Riekel kennt zwar jeden, hat aber nicht immer Zeit, einen individuellen Nachruf zu verfassen. Dieser hier passt immer.
Von Ralf Husmann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dings - ein Mann / eine Frau von Format

Letzte Woche / letzten Monat trat sie / er zum letzten Mal öffentlich auf. Bei der Eröffnung von ... / bei der Sendung von ... / bei Udo Walz lief sie / er mir in die Arme, und wie immer haben wir uns herzlich begrüßt. Und wie immer sprach ich mit Dings auch über aktuelle Themen wie Krieg und Terrorismus im Nahen Osten (Lesen Sie dazu auch: Farah Diba, "Manchmal vermisse ich den Palast" - die Ex-Kaiserin von Persien zeigt ihre Juwelen, S. 46) oder Rezepte gegen die Rezession in Deutschland (St. Moritz und St. Barth - So feiern die Superreichen, S. 113).

"Bunte"-Chefredakteurin Riekel: Eine Frau von Format

"Bunte"-Chefredakteurin Riekel: Eine Frau von Format

Foto: DPA

Kein Wort darüber, dass sie / er sich da wohl schon krank fühlte / von Vorahnungen heimgesucht wurde / nicht mehr leben wollte / Schnupfen hatte. Typisch für diese / diesen einzigartige / einzigartigen Frau / Mann, diese großartige Persönlichkeit, dass Dings ihre / seine Umwelt nicht mit privaten Problemen behelligen wollte.

Aus heutiger Sicht, das gebe ich offen zu, ist es mir peinlich, dass ich dagegen ausgiebig über meine kleinen Sorgen gesprochen habe (Dicke Beine - was auch nicht hilft, S. 62, Schmuck statt Ausstrahlung - so bekommen Sie Persönlichkeit, S. 63, Hilfe, mein Mann schnarcht - Betroffene erzählen, S. 64).

Die vornehme Zurückhaltung und die schlichte Eleganz, mit der sie / er all die Jahre in der Öffentlichkeit gestanden hat, zeugen von etwas, das in unserer heutigen Zeit ein rares Gut ist: Würde. (Lesen Sie unbedingt auch: Cellulite-Alarm - Promis am Strand, S. 22, Amy Winehouse - Klinik, Drogen, Selbstmordversuch? S. 34, Boris und die geheimnisvolle Schöne - Sie spielt schon heimlich mit seinen Kindern, exklusive Fotos, S. 35).

In unseren Tagen, wo Kauf-mich-Promis vor Millionen Fernsehzuschauern Kakerlaken essen oder sich mit Spinnen überschütten lassen, wirkt es ja schon wie ein altmodischer Satz, aber dennoch ist er wahr: Dings hatte Würde. Es wäre schön, wenn sich die TV-Macher und die TV-Rüpel, die für ein kleines bisschen Aufmerksamkeit und Popularität ihre Würde billig verramschen, an Dings ein Beispiel nehmen würden (Gundis Zámbó - so überstand ich das Dschungelcamp, exklusiver Bericht nach der Rückkehr aus Australien, S. 92).

Natürlich ist mir klar, dass das ein frommer Wunsch ist und bleiben wird. Aber durch die Todesnachricht einer Persönlichkeit wie Dings wird einem auch die Endlichkeit des eigenen Lebens wieder vor Augen geführt, und man besinnt sich fast automatisch auf das, was wirklich wichtig ist im Leben ("Alaaf und Helau - die tollen Tage kommen. Wo die Party wirklich abgeht", S. 26).

Wie schrieb schon Immanuel Kant? "Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern. Tot ist nur, wer vergessen wird." Wenn das aber stimmt, dann lebt sie / er noch lange fort, die / der Dings.