"Glasshouse"-Erbauer Star-Architekt Philip Johnson gestorben
New York - Seine Arbeiten gehören zu den architektonischen Meisterwerken des 20. Jahrhunderts: der Skulpturengarten des Museum of Modern Art, die präkolumbianische Gallerie der Dumbarton- Oaks-Sammlung in Washington, D.C., das mit Mies van der Rohe realisierte Seagram Building in New York oder eben jenes "Glass House" in New Canaan. Der 1906 in Cleveland, Ohio, geborene Johnson ließ den vollkommen durchsichtigen Bau 1949 als Prototyp des so genannten Internationalen Stils in der freien Natur errichten und lebte seitdem darin.
Auch den architektonischen Postmodernismus, der Glas- und Stahlkonstruktionen mit verspielten Verzierungen verknüpft, gestaltete Johnson in entscheidender Weise mit. Berühmtestes Beispiel: die 55 Stockwerke hohe frühere Zentrale der US-Telefongesellschaft AT&T, die heute dem japanischen Konzern Sony als amerikanischer Firmensitz dient. Der in New York errichtete Wolkenkratzer wurde von Kritikern wegen seiner geschwungenen Dachkonstruktion "Chippendale Building" - nach einem englischen Rokoko-Möbelmacher - getauft.
Auch in Deutschland war Johnson tätig: In Berlin schuf er von 1994 bis 1997 an der Friedrichstraße, unweit vom einstigen Grenzübergang Checkpoint Charlie, ein Bürocenter, das seinen Namen trägt. Bei dem imposanten Bau mit kolossalen Wandpfeilern und Stilzitaten der Neogotik verzichtete Johnson selbstbewusst auf architektonische Bezüge zum geschichtsträchtigen Standort.
Mit Deutschland verbindet den Stararchitekten allerdings auch ein dunkles Kapitel seiner Biografie: Johnson war dezidierter Sympathisant des Nationalsozialismus, gründete in den USA eine rechtslastige Partei und veröffentlichte Beiträge in Zeitungen, in denen er sich positiv über Nazi-Deutschland äußerte.1940 distanzierte sich Johnson jedoch von der Ideologie des Hitler-Regimes. Angeblich hatten weiterführende Studien bei dem von den Nazis vertriebenen deutschen Architekten Walter Gropius an der Harvard University zum Gesinnungswandel Johnsons beigetragen.
Daniel Libeskind, Chefarchitekt beim Bau des "Liberty Tower" für das neue World Trade Center in New York, erklärte der dpa, die Welt habe einen überragenden Baukünstler verloren. "Johnson hat die Architektur des 20. Jahrhunderts maßgeblich mitgeprägt."
Auch Terrence Riley, Kurator des Museum of Modern Art (MoMA) für Architektur und Design, würdigte Johnson als einmaligen Künstler. Sein "International Style" habe die Landschaft der amerikanischen Architektur stark verändert, so der Museums-Chef gegenüber der dpa.