Goldene Feder: Aust ehrt Schirrmacher - DER SPIEGEL
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Goldene Feder Aust ehrt Schirrmacher

Die Medienszene unter sich. In Hamburg verlieh der Bauer-Verlag wieder goldene Federn - mit einigen Spitzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Glanzlichter bei der "Goldenen Feder": Die Verleihung des Medienpreises aus dem Hamburger Bauer-Verlag hat auch in diesem Jahr mit sprachlichen und musikalischen Höhepunkten aufgewartet. Wortgewandt wurden am Freitagabend in der Hamburger Handelskammer neben anderen die Preisträger Alice Schwarzer ("Emma"-Herausgeberin) und Frank Schirrmacher ("FAZ"-Herausgeber) von ihren Laudatoren gewürdigt. Der Geiger Julian Rachlin bedankte sich für die Auszeichnung mit einer "Carmen-Fantasie", mit der er - begleitet am Flügel von seiner Mutter - die mehr als 440 Gäste begeisterte. Auch Schauspieler Heiner Lauterbach, Publizist Guido Knoop und Air-Berlin-Chef Joachim Hunold freuten sich über die "Goldene Feder", die für besondere Leistungen in den Medien vergeben wird.

Der seit 40 Jahren für die Emanzipation der Frau streitenden Alice Schwarzer gab der designierte Chefredakteur der Berliner Tageszeitung "Die Welt", Roger Köppel, in seiner Laudatio einen wertvollen Tipp: Er habe in einem Münchner Flughafenkiosk nach der «Emma» gesucht und sie erst nach sieben Minuten im Regal Mode/Accessoires/Frisuren, über einem Hardcore-Schwulenmagazin, entdeckt. "Jetzt müssen Sie nur noch für eine bessere Kioskplatzierung kämpfen", empfahl Köppel der 61- Jährigen. Er gestand ein, ein "stiller Bewunderer, heimlicher Fan" von Schwarzer zu sein: "Sie haben einen Urinstinkt für die Aufdeckung der Schwachstellen des Gegners." Mit seiner Rede habe er die These bestätigt, dass Männer auch nur Menschen sind, konterte die Frauenrechtlerin.

Eine Annäherung gab es auch zwischen dem Chefredakteur des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», Stefan Aust, und dem Herausgeber der konservativen Frankfurter Allgemeinen Zeitung ("FAZ"), Frank Schirrmacher. "Ich ertappe mich immer häufiger dabei, mit ihm einer Meinung zu sein", sagte Aust. Er würdigte humorvoll die steile Karriere des 44-Jährigen und dessen Buch "Das Methusalem-Komplott" über die Alterung westlicher Gesellschaften, das es in die "Spiegel"-Bestsellerliste schaffte.

Zu einer Begegnung unter Freunden kam es bei der Übergabe der "Goldenen Feder" an Unternehmenschef Hunold durch den früheren Rennfahrer und Airline-Gründer Niki Lauda. Hunold, ausgezeichnet für Unternehmenskommunikation, versprach Verleger Heinz Bauer, mit seinem Air-Berlin-Bordmagazin keinen Konkurrenz zu etablierten Medien aufbauen zu wollen. Gertrud Höhler versicherte, dass der Historiker Guido Knopp für seine TV-Dokumentationen (ZDF) keine Dschungelcamps brauche, sondern den "Dschungel der Geschichte", um Millionen vor den Bildschirm zu bannen.

Preisträger Lauterbach, geehrt von TV-Moderatorin Michelle Hunziker, war am Abend «stolz darauf, sich in eine so tolle Reihe einreihen zu dürfen». An die Prominenten und Medien hatte Verlegergattin Gudrun Bauer appelliert, im gegenseitigen Wechselspiel auch künftig fair und sensibel miteinander umzugehen.