Grande Dame der Fotografie Gisèle Freund gestorben
Paris - Das teilte ihre Agentin Nina Beskow mit. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac würdigte Freund als jemanden, der es besser verstand als andere, den Fotografien Leben einzuhauchen und die Wesenszüge der Fotografierten zu erfassen. "Mit dem Tod der Fotografin ist ein Blick ausgelöscht worden, aber auch eine Kapazität, die etwas vom Sehen verstand."
Gisèle Freund hatte Deutschland nach einem Soziologiestudium 1933 verlassen und in Paris angefangen zu fotografieren, um damit zunächst ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Berühmt wurde sie mit ihren ersten Foto-Porträts von prominenten Schriftstellern wie Jean-Paul Sartre, André Malraux oder James Joyce, die in den dreißiger Jahren das intellektuelle Paris im Quartier Latin bevölkerten.
Während des Zweiten Weltkriegs zog sich Freund nach Südamerika zurück und machte Fotoreportagen über Menschen und Orte in Argentinien, Chile, Bolivien und Brasilien. Das Reisen wurde ihre Leidenschaft: Als Fotografin bei der Agentur Magnum kam sie vor allem in den siebziger Jahren viel in der Welt herum. 1981 erhielt ihre Karriere neuen Auftrieb: Sie fertigte das offizielle Porträt des damaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand an.
Freund wurde in vielen nationalen und internationalen Ausstellungen gewürdigt - 1977 beispielsweise im Rheinischen Landesmuseum Bonn, 1991 widmete ihr das Pariser Museum für moderne Kunst eine eigene Werkschau.