Grass reagiert auf israelisches Einreiseverbot - DER SPIEGEL
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Reaktion auf Einreiseverbot Grass vergleicht Israels Regierung mit der Stasi

Günter Grass reagiert erstmals auf das israelische Einreiseverbot. Der Tonfall dieser "Zwangsmaßnahme" erinnere ihn an ein Verdikt von Stasi-Chef Erich Mielke, schreibt der Nobelpreisträger in der "Süddeutschen Zeitung". Auch die DDR habe ihm den Grenzübertritt verwehrt.
Dichter Grass (Archivbild): "Zersetzendes Element"
Dichter Grass (Archivbild): "Zersetzendes Element"

Dichter Grass (Archivbild): "Zersetzendes Element"

Foto: dapd
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München/Hamburg - Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass vergleicht das Vorgehen der Regierung in Jerusalem mit den Methoden des Stasi-Ministers Erich Mielke. In der Donnerstagsausgabe der "Süddeutschen Zeitung" reagiert der Schriftsteller jetzt erstmals auf das gegen ihn in Israel verhängte Einreiseverbot.

Diese "Zwangsmaßnahme" erinnere ihn an das Vorgehen der einstigen DDR, schreibt Grass in einem Beitrag mit dem Titel "Damals wie heute - meine Antwort auf jüngste Beschlüsse". Der 84-Jährige beschreibt in dem kurzen Text, dass ihm bisher die Einreise in zwei Länder verwehrt worden sei: in die DDR und Ende der achtziger Jahre nach Birma. "Die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR genannt, machte auf Geheiß des Ministers für Staatssicherheit, namens Mielke, den Anfang." Und Mielke sei es gewesen, der Jahre später das Verbot zurücknahm, jedoch für die zu erwartenden Einreisen der "als zersetzendes Element" eingestuften Person verstärkte Observierung angeordnet habe.

Weiter heißt es in dem Text: "In beiden Fällen wurde die in Diktaturen übliche Praxis vollzogen. Jetzt ist es der Innenminister einer Demokratie, des Staates Israel, der mich mit einem Einreiseverbot bestraft und dessen Begründung für die von ihm verhängte Zwangsmaßnahme - dem Tonfall nach - an das Verdikt des Ministers Mielke erinnert." Erich Mielke war der Chef des Ministeriums für Staatssicherheit, kurz Stasi.

Nach der Veröffentlichung seines umstrittenen Gedichts "Was gesagt werden muss", in dem Grass Israel vorwirft, den Weltfrieden zu gefährden, hatte die Regierung in Jerusalem den Literaturnobelpreisträger zur Persona non grata erklärt und ein Einreiseverbot gegen ihn verhängt.

Israels Innenminister Eli Jischai verlangte, man müsste ihm den Literaturnobelpreis aberkennen, die Akademie in Stockholm hingegen schloss einen solchen Schritt aus.

Selbst Grass-Gegner hatten Israels Reaktion auf das Gedicht des Schriftstellers zuletzt kritisiert. Der israelische Autor Uri Avnery sagte, Grass zur Persona non grata zu erklären, sei "völliger Blödsinn", die israelische Zeitung "Haaretz" bezeichnete den Schritt der Regierung in Jerusalem als "hysterisch".

bos