Grimme-Preis Privatsender im Nominierungs-Hoch
Marl - Die Privatsender sind bei den diesjährigen Nominierungen für den Adolf-Grimme-Preis stärker als zuvor vertreten. Grund dafür sei die Einführung einer eigenen Wettbewerbskategorie "Unterhaltung", teilte das Adolf-Grimme-Institut heute in Marl mit.
Insgesamt wählten die Juroren 62 Fernsehbeiträge und Einzelleistungen aus 750 Vorschlägen aus. Aus ihnen sollen zwölf Grimme-Preisträger ermittelt werden. Die Ergebnisse will die Jury am 14. März verkünden.
Ein Preisträger steht bereits fest: Der Komiker Hape Kerkeling erhält die "Besondere Ehrung" des Deutschen Volkshochschul-Verbandes. Er ist außerdem zwei Mal nominiert.
2006 sei "ein gutes Fernsehjahr mit solider Qualität, einigen mutigen Innovationen und einzelnen Glanzpunkten" gewesen, erklärte das Grimme-Institut. Die privaten Sender seien speziell im Bereich Unterhaltung gut vertreten: Hier stellten sie acht der 17 Nominierungen.
Zu den nominierten Beiträgen der Kategorie "Unterhaltung" gehören die Koch-Dokumentation "Das perfekte Dinner" (Vox), Hape Kerkeling in seiner Rolle als Lokaljournalist Horst Schlämmer bei "Wer wird Millionär? - Prominentenspecial" (RTL) und beim "Deutschen Comedy Preis 2006" (RTL), Olli Dittrich für seine Franz-Beckenbauer-Parodie in der "Harald Schmidt-Show" (ARD/WDR), die Doku-Soap "Suche Familie!" (RTL II), das Spiel-Duell "Schlag den Raab" (ProSieben), "Eine große Nachtmusik" (ZDF) mit Moderator Götz Alsmann sowie die Fernsehserien "Türkisch für Anfänger" (BR/NDR) und "Die Özdags" (WDR).
In der Rubrik "Fiktion" dominieren mit sechs der 22 Nominierungen die Krimis, darunter der "Polizeiruf 110: Er sollte tot" (ARD/BR) von Dominik Graf, "Kommissarin Lucas - Das Verhör" (ZDF) und "Blond: Eva Blond - Der sechste Sinn" (Sat1).
Zu den wieder in großer Zahl beeindruckenden Fernsehfilmen, so das Grimme-Institut, gehörten das zeithistorische Drama "Nicht alle waren Mörder" (SWR/BR/ARD/rbb), der Mehrteiler "Blackout" (Sat1) und die Psycho-Tragödie "Unter dem Eis" (ARD/SWR/rbb).
Auch neue Serien wie "Zwei Engel für Amor" (ARD/NDR) und der Mehrteiler "Helen, Fred und Ted" (ARD/BR/NDR) zählen zu den nominierten Beiträgen, ebenso die Multi-Kulti-Komödie "Meine verrückte türkische Hochheit" und der umstrittene Film über Jugendgewalt "Wut" (ARD/WDR).
In der Kategorie "Information und Kultur" habe es "Spannendes und Informatives" zu entdecken gegeben, erklärte die Nominierungskommission. Hier dominieren die öffentlich-rechtlichen Sender; 23 Kandidaten gehen in die Endausscheidung.
Dazu gehören "Mein Vater, der Türke" (ARD/SWR) des in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Grimme-Preisträgers Marcus Attila Vetter, die Dokumentation "Feuertod" (RTL) von Antonia Rados über die letzten fünf Tage einer jungen afghanischen Frau, die sich nach Misshandlungen durch ihren zwangsverheirateten Ehemann selbst verbrennt, die Dokumentation "die story: Müll-Geschäfte" (SR/WDR), aber auch Bundesliga-Trainer Jürgen Klopp für seine anschaulichen Analysen während der Fußball-WM.
Hape Kerkeling erhält den Sonderpreis des Volkshochschul-Verbandes, des Stifters des Grimme-Preises, für die außergewöhnliche Bandbreite seiner Tätigkeit als Komiker, Bestsellerautor, Moderator, Schauspieler, Regisseur und Entertainer. Man würdige seine großen Verdienste um das Genre Unterhaltung im deutschen Fernsehen. Kerkeling beweise in seiner nunmehr über 20-jährigen Fernsehkarriere, dass "Qualität und Anspruch auch in der Fernsehunterhaltung ihren Platz finden kann", begründete Verbandsdirektor Ulrich Aengenvoort die einmütige Entscheidung des Vorstandes.
Die Grimme-Preise werden am 30. März in Marl verliehen.
dan/AFP