Guggenheim-Neubau: "Schnittpunkt zweier Welten" - DER SPIEGEL
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Guggenheim-Neubau "Schnittpunkt zweier Welten"

Weil das Guggenheim Museum in New York aus allen Nähten platzt, soll an der Wall Street ein Neubau entstehen. Die Museumsleitung favorisiert einen Entwurf des Stararchitekten Frank Gehry - und wird damit wohl auf Widerstand stoßen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Das für seinen schneckenförmigen Bau bekannte Guggenheim Museum in New York will sich erweitern. Nach einem Entwurf von Frank Gehry soll im Süden Manhattans, am Fuß der Wall Street, ein neues Kunstzentrum entstehen, weitaus großzügiger und phantasievoller als das alte Gebäude an der Fifth Avenue: ein zweites Guggenheim Bilbao.

Jetzt wurde der Öffentlichkeit das Modell vorgestellt. Es zeigt ein Gebäude, das wie eine metallene Wolke 30 Meter über dem Wasser schweben soll. Bänder aus Titan falten, überlappen und verknoten sich wie Schleifen um den Bau, der seinen Halt in einem 150 Meter hohen kristallinen Glasturm findet.

Gehry beschreibt sein Projekt als einen "Schnittpunkt zwischen zwei Welten". Hier sollen Kapitalismus, verkörpert durch die nahe Wall Street, und die schöpferische Freiheit der Künste aufeinander treffen.

Die Solomon-Guggenheim-Stiftung will in dem neuen Museum auf 22.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre Kunstwerke der Nachkriegszeit unterbringen: Abstrakten Expressionismus der New York School und Werke der Pop Art, zweier originär amerikanischer Stilrichtungen.

Die Sammlung mit Arbeiten vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1945 soll im Gebäude gegenüber des New Yorker Central Parks bleiben, das von Frank Lloyd Wright entworfen und 1959 fertig gestellt wurde. Dieses Museum ist nach Worten seines Direktors Thomas Krens derzeit so überladen, dass es nur einen Bruchteil seiner ständigen Kollektion vorzeigen kann.

Um den neuen Komplex zu einem Treffpunkt für jedermann - und nicht nur für Kunstliebhaber - am Rande des New Yorker Finanzzentrums zu machen, umgibt Gehry die Ausstellungsfläche mit viel Raum für Restaurants, Kino, Theater und sogar Büros. Unter dem Museum ragen drei Halbinseln wie Seerosenblätter in den Fluss, auf denen eine Art Park entstehen soll.

Ob der gewagte Entwurf Chancen hat, von den Stadtvätern New Yorks akzeptiert zu werden, ist nicht sicher. Krens plädiert für Gehrys Entwurf, auch weil er hofft, die kühne Architektur könne bedeutende Privatsammler dazu veranlassen, ihm ihre Gemälde, Plastiken und Installationen zu überlassen.

Allerdings setzten sich in den letzten Jahren in New York vielfach Anhänger konservativer Architektur durch. Hierzu gehören Museums- und Sponsorenkreise, aber auch Bürgermeister Giuliani. Bisher hat er Krens noch keinen Gesprächstermin eingeräumt.