Halbfinale Quoten-Hoch im WM-Tief
Mainz - Knapp 30 Millionen Menschen verfolgten das Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Italien an den Bildschirmen, meldete das ZDF heute. In der Verlängerung sei sogar der Spitzenwert von 31,1 Millionen Zuschauern erreicht worden. Laut media control stieg der Marktanteil zwischenzeitlich auf 91,2 Prozent. "Egal welche Zielgruppe man betrachtet, alle fieberten vor dem Fernseher mit".
Noch nie habe ein Spiel eine solche Zuschauerzahl erzielt, berichtete das Medienunternehmen aus Baden-Baden. "Das war mit Sicherheit das Fernsehereignis des Jahres, vielleicht auch des Jahrzehnts", sagte ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sieht die WM als "das TV-Sportereignis des Jahrzehnts".
Eine neue Dimension sei bei der WM 2006 durch das Public Viewing erreicht worden, betonte Boßdorf. Der Medienforschung zufolge müsse auf die TV-Einschaltquote noch einmal die Hälfte der Zuschauer draufgeschlagen werden. Viele Spiele seien durch das gemeinsame Zuschauen auf Fanmeilen oder in Lokalen von über 30 Millionen Fans gesehen worden.
Mit solchen Zuschauerzahlen habe er nicht gerechnet, räumte Brender ein. Insgesamt hätten das Spiel durch die Public-Viewing-Veranstaltungen sogar sicherlich zwischen 40 und 50 Millionen Fans gesehen. "Dieses Gemeinschaftserlebnis des Schauens war bei der WM 2006 ein ganz besonderes Phänomen", sagte der ZDF-Chefredakteur.
Die Chefin der ZDF-Medienforschung, Susanne Kayser, sagte im ZDF-Morgenmagazin, mit der Quote von 30 Millionen Zuschauern führe der Sender nun die Top-20 der seit 1980 ausgestrahlten Fußballspiele an. Bislang hatte das WM-Finalspiel Deutschland gegen Argentinien 1990 die Spitzenposition besetzt.
Außerdem sagte Kayser, habe man beobachtet, dass bei den Spielen mit deutscher Beteiligung fast die Hälfte der Zuschauer weiblich war. Beim Argentinien-Spiel hätten sogar etwas mehr Frauen als Männer vor den Bildschirmen gesessen. "Je größer das Event, desto mehr ist die Zuschauerstruktur so wie in der Bevölkerung", erklärte die Medienforscherin.
Die Konkurrenzsender verzeichneten dagegen verschwindend geringe Quoten. So sahen 1,38 Millionen Zuschauer (3,9 Prozent) ab 21.15 Uhr auf RTL die Krimiserie "Im Namen des Gesetzes", 0,94 Millionen (2,7 Prozent) in der ARD die Serie "In aller Freundschaft" um 21 Uhr und 0,36 Millionen (1,1 Prozent) eine Folge von "Sex in the City" um 20.50 Uhr auf ProSieben.
hoc/AP/ddp/dpa