Hamburg John Neumeier wird Ehrenbürger
Hamburg - "John Neumeier hat mit seiner künstlerischen Arbeit und Leistung zum internationalen Ansehen Hamburgs beigetragen. Die Ehrenbürgerwürde ist ein Zeichen der Wertschätzung seiner Kunst und seiner Person", sagte Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU). Neumeier zählt zu den bedeutendsten Ballett-Choreografen in Deutschland und feiert mit seinen Inszenierungen internationale Erfolge.
"Das ist eine sehr große Überraschung für mich. Ich fühle mich sehr geehrt", sagte Neumeier nach der Bekanntgabe. "Dadurch, dass ich die Stadt sehr liebe, bin ich sehr froh." Er wisse noch nicht, was die Auszeichnung für ihn bedeute, "das wird sich langsam entwickeln". Er habe Hamburg immer als einen Ort empfunden, wo man in Ruhe arbeiten kann, "um diese Arbeit dann mit in die Welt zu nehmen". Mit Hinblick auf seine weltweit einzigartige Sammlung zur Geschichte des Tanzes meinte Neumeier: "Ich wünsche mir für die Zukunft dieser Stadt, dass es einen neuen Ort für die Stiftung gibt."
Der gebürtige Amerikaner leitet seit 1973 das Hamburg Ballet, welches zu den weltweit führenden Kompanien gehört. Zum Repertoire gehören sowohl Klassiker-Bearbeitungen wie "Giselle" oder "Illusionen - wie Schwanensee", als auch eigene Interpretationen dramatischer Weltliteratur. Dabei entstanden unter anderem die Handlungsballette "Die Kameliendame", "Tod in Venedig" oder "Ein Sommernachtstraum". Bislang hat Neumeier rund 130 Choreografien erarbeitet, die regelmäßig auf der ganzen Welt gezeigt werden. Als Gastchoreograf inszeniert Neumeier regelmäßig am Royal Ballet London, an der Pariser Oper und an der Königlichen Oper Kopenhagen.
In der Vorlage des Hamburger Senats heißt es, Neumeier nehme eine singuläre Stellung in der Theatergeschichte Hamburgs ein. Über die Ehrenbürgerwürde soll die Hamburger Bürgerschaft im Sommer beraten, Zustimmung signalisierten bereits alle Fraktionen.
Neumeier wird sich mit der Ehrenbürgerwürde unter anderem in die Gesellschaft von Altkanzler Helmut Schmidt, Schriftsteller Siegfried Lenz ("Deutschstunde"), dem Stifterehepaar Helmut und Hannelore Greve und Fußballidol Uwe Seeler begeben, die bereits Ehrenbürger Hamburgs sind.
Neumeier hatte sein erstes Engagement 1960 bei Sybil Shearer in New York. Danach ging er an das Stuttgarter Staatstheater zu John Cranko und wurde 1969 in Frankfurt Deutschlands jüngster Ballettdirektor. Trotz zahlreicher internationaler Angebote ist er seit 1973 in Hamburg geblieben. Sein Vertrag wurde vor zwei Jahren bis 2011 verlängert, mit einer Option auf weitere fünf Jahre.
Es ist nicht die erste Auszeichnung für den Ballett-Intendanten, der bereits Träger des Bundesverdienstkreuzes ist. Auch internationale Auszeichnungen hat er erhalten, beispielsweise die Ritterwürde der Ehrenlegion der Republik Frankreich und das Ritterkreuz des Dannebrog-Ordens in Gold.
hae/dpa