Hamburger Kultursenat Wagner will nicht
Hamburg - Wagner begründete ihre Absage damit, dass ihre Forderung nach einer deutlichen Erhöhung des Kulturetats der Hansestadt von der neuen Regierung aus CDU, FDP und Schill-Partei nicht erfüllt werden konnte. "Damit sehe ich eine kreative, zukunftsweisende Kulturpolitik in Frage gestellt und muss deshalb meine Absage bekannt geben". Das teilte die in Wien lebende Autorin am Donnerstag mit.
Für den designierten Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU), der am gleichen Tag in Hamburg sein Kabinett vorstellte, kam die Absage seiner Wunschkandidatin überraschend: Nach intensiven Gesprächen in friedlicher, "stellenweise sogar amüsanter" Atmosphäre habe es von Wagner positive Signale gegeben, berichtete von Beust. Er bedauerte ihre Absage und will die Gespräche mit weiteren Kandidaten fortsetzen. Namen nannte der Politiker nicht. Ursprünglich wollte von Beust den Posten der Kultursenatorin streichen und lediglich einen Kulturbeauftragten ernennen. Nach Protesten aus der Hamburger Kultur gab er dieses Vorhaben jedoch auf.
Wagner forderte für ihren Amtsantritt die Erhöhung des Kulturetats von 363,3 Millionen Mark (185,75 Mio Euro) oder zwei Prozent vom Gesamthaushalt der Hansestadt auf 2,5 Prozent. Das hätte eine Aufstockung von rund 90 Millionen Mark bedeutet. "Ich habe ihr gesagt, dass ich kein Geld drucken kann", sagte von Beust. Nach seinen Angaben wollte die Musik- und Literaturwissenschaftlerin Gelder unter anderem in ein Musikzentrum und mehr Festspielkapazitäten investieren.
Nike Wagner, Tochter des Regisseurs Wieland Wagner, beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Werk ihres Urgroßvaters. Über sein Leben und seine Wirkung veröffentlichte sie Bücher wie "Über Wagner" (1995) und "Wagner Theater" (1998). Seit Jahren bewirbt sie sich um die Nachfolge ihres Onkels, Wolfgang Wagner, in der Leitung der Bayreuther Festspiele. Sie fordert, die ihrer Meinung nach "verkalkten, verkrampften und verkrusteten" Festspiel-Strukturen aufzubrechen. Der 82-Jährige pocht aber auf seinen lebenslangen Vertrag als Festspielleiter und möchte zudem seine zweite Frau Gudrun als Nachfolgerin durchsetzen.