"Hart aber fair": Lachen über den Tod - DER SPIEGEL
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"Hart aber fair" Lachen über den Tod

Wenige Tage nach seiner Niederlage gegen Anne Will in Sachen Christiansen-Nachfolge präsentierte sich Moderator Frank Plasberg wie gewohnt professionell: Eindringlich und ohne Betroffenheitskitsch befragte er seine Gäste zu dem heiklen Thema Sterbehilfe.
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Man wird in Fußgängerzonen von Meinungsforschern und Lokalreportern ja zu allen möglichen Themen interviewt, der Tod gehörte bislang allerdings nicht dazu. Umso dringlicher die Frage der "Hart aber fair"-Mitarbeiterin, die Passanten für einen kleinen Einspieler mit der Frage konfrontierte: "Wissen sie, wie ihre Mutter sterben möchte?"

Das Ganze hatte nichts mit einem telegen inszenierten Tabubruch zu tun, sondern folgte eher der einfachen Erkenntnis, dass man am leichtesten dort über den Tod sprechen kann, wo das Leben tobt. In einer Talkshow zum Beispiel. Die gestrige "Hart aber fair"-Ausgabe war eine Sendung über das Sterben. Es wurde sehr viel gelacht.

Moderator Frank Plasberg präsentierte sich ein weiteres Mal als Meister der Balance. Eine Leichenbittermine oder eine Grabrednerstimme, das wusste er wohl, taugt kaum dazu, sich einem Thema zu öffnen, das die meisten Menschen möglichst schnell an Kirchen, Ämter oder Vereine wegdelegieren möchten. Plasberg machte das einzig Richtige: Er sprach über das Thema wie über jedes andere, lotete mit dem ihm eigenen sachlichen Humor die darin liegenden Widersprüche aus.

Den niederländische Arzt Charles Verhoeff, der in seinem Land aktive Sterbehilfe praktiziert, konfrontierte er zum Beispiel mit der Feststellung, dass dessen Tätigkeit ja beinahe nach "einem Spaziergang in den Tod" klänge – worauf der Holländer ausführlich die Komplexität des medizinischen und ethischen Abwägungsprozesses beschreiben durfte. Den hübsch altgewordenen deutschen Schauspieler Horst Janson, der als Gegner der aktiven Sterbehilfe eingeladen worden war, fragte Plasberg indes, ob er denn schon eine Patientenverfügung verfasst habe. Und als dieser verneinte, bohrte der Moderator nach: "Sagen Sie, Herr Janson, ist das mit 71 nicht so dringend?"

Bis an die Grenze der Geschmacklosigkeit

Das ist die große Kunst des Frank Plasberg: Er personalisiert ein für viele Zuschauer abstraktes Thema wie das Sterben, ohne dass es auch nur einmal menschelt. Weshalb will jemand, dass man ihm beim Sterben hilft? Und vor allem: Weshalb sollte jemand anderes dann diesen Job übernehmen wollen? Um der Sache auf den Grund zu gehen, muss man auch mal naiv – manchmal bis an die Grenze der Geschmacklosigkeit – nachhaken. So fragte Plasberg den holländischen Hausarzt Verhoeff, der schon viele Menschenleben gerettet hat: "Ist es genauso befriedigend jemand in den Tod zu helfen?" Der Mediziner bejahte. Und erklärte auch wieso.

So unbefangen, so unaufgeregt, so unbeirrt wie in "Hart aber fair" wird im deutschen Fernsehen selten über das gesprochen, was man allgemein "heißes Eisen" nennt. Es ist also eine erfreuliche Fügung, dass nach all dem Hickhack um die Nachfolge der scheidenden Star-Moderatorin Sabine Christiansen das WDR-Talkformat nächstes Jahr vom Dritten ins Erste aufrückt, wo ihm größere öffentliche Aufmerksamkeit sicher ist.

Bleibt zu hoffen, dass man die Sendung zeitlich nicht beschneidet. Denn auch wenn gerade in der gestrigen Sendung – man glaubte Plasberg die Erschöpfung nach der aufreibenden Personaldebatte in der ARD anzusehen – über weite Strecken und gerade über die rechtlichen Aspekte des Sujets Leerlauf herrschte, so sind die 90 Minuten doch dringend notwendig. Mit der opulenten, hysteriefreien Mischung aus Einspielern und Diskussion kann sich der Zuschauer sogar in Themenkomplexe vortasten, die so monströs und medienuntauglich wie das der Sterbehilfe erscheinen.

Ein toller Gastgeber

Dabei setzen die Verantwortlichen von "Hart aber fair" ganz auf den mündigen Zuschauer: Jede Position präsentiert man in ihrer ganzen Radikalität. So wurde in der gestrigen Ausgabe darauf hingewiesen, dass viele Menschen in Holland einen so genannten "Lebenswunschpass" mit sich führen, der sie im Falle eines Unfalls mit schwerwiegenden Folgen vor euthanasiefreudigen Ärzten schützen soll. Kurz darauf jedoch wurde in einem Beitrag von einem deutschen Mann berichtet, der aufgrund einer schweren und tödlich endenden Muskelerkrankung das letzte Stück seines Leidensweg verkürzen will – und dafür in die Schweiz reisen muss, wo aktive Sterbehilfe auch an Ausländern legal praktiziert wird. Seine letzte Stunde hat der Sterbewillige also nach einer strapaziösen Reise in einem anonymen Hotelzimmer zu verbringen.

"Tod auf Rezept – gibt es ein Recht auf leichtes Sterben?" lautete der Titel der Sendung. Viele Positionen wurden dargestellt; man wurde nicht gezwungen, sich einer davon zu verschreiben. Plasberg selbst machte aus seiner persönlichen Unentschiedenheit am Ende kein Geheimnis. Er ist und bleibt ein toller Gastgeber: kein allwissender Erzähler, aber ein patenter Führer durch die Widersprüche des modernen Lebens und des modernen Sterbens.

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