"Hart aber fair": Muppet-Show der Steuerversprecher - DER SPIEGEL
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"Hart aber fair" Muppet-Show der Steuerversprecher

Schreibt die CSU ihre Wahlversprechen von der Linken ab? Verkommt Deutschland zur Lafontaine-Republik? Und sollen wir das Gerede von Steuersenkungen eigentlich wirklich glauben? ARD-Talker Plasberg nahm sich des Themas an - und entlockte seiner Runde zauberhafte Talk-Momente.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gerade hat die Regie dieses Spaß-Filmchen eingespielt. Wie Oskar Lafontaine von Parteichef zu Parteichef einen Brief an den lieben Erwin Huber schreibt. Wie er ihn darin bittet, die Steuervorschläge der Linken, mehr Geld für Pendler etc., in ein CSU-Konzept zu gießen, damit diese endlich mal ernst genommen würden. Und wie Huber das dann auch macht – und kurz darauf sein Papier "Mehr Netto vom Brutto" präsentiert. Mit Forderungen wie: mehr Geld für Pendler etc.

Da lachen sie beide schelmisch, der "Huawer Erwin" aus Niederbayern und "de Oskar" aus dem Saarland.

"Die Urheberschaft liegt bei uns, bei Ihnen schreibe ich mit Sicherheit nicht ab", lästert der echte Huber nach dem Beitrag in Richtung des realen Lafontaine. "Ach, selbstverständlich, wir petzen auch nicht", gibt der liebedienerisch und mit großer Geste zurück.

Es sieht ein bisschen ulkig aus, beide grinsen jetzt breit, wedeln mit den Armen.

Die Steuer-Anträge der Linksfraktion lägen im Bundestag, die CSU brauche da nur zuzustimmen, sagt Lafontaine. Huber winkt ab: "Sie stellen jede Woche Milliardenanträge, das kann kein Mensch finanzieren." Aha, da wittert Lafontaine einen Punkt, zielt mit dem rechten Zeigefinger scharf auf Huber: "Er hat gerade gesagt, seinen Vorschlag könne man nicht finanzieren, hat er gesagt." Das Publikum macht "Höhöhö", Oskar schmatzt.

Gemeinerweise sitzen Huber und Lafontaine nebeneinander

Das geht dann noch ein bisschen so weiter in der ARD-Runde "Hart aber fair" mit dem Thema "Steuern runter, Geld für alle – ja, haben wir denn schon Wahlkampf?". Man hat Huber und Lafontaine aus Gründen der Gemeinheit auch noch direkt nebeneinander plaziert.

Dankenswerterweise kommt nach wenigen Minuten christ-sozialistischen Raufens der "Stern"-Journalist Hans-Ulrich Jörges auf eine prima Metapher: "Das sieht hier aus wie in der Muppet-Show". Oben die krittelnden und witzelnden Statler und Waldorf in der Loge, vulgo Huber und Lafontaine - unten Chaos auf der Bühne.

Lafontaine sei zu Recht fröhlich und amüsiert, bemerkt Jörges: "Er ist es ja, der diesen ganzen Parteienladen in Bewegung gesetzt hat, er kann auf die Bühne runterschauen, und da wird sein Stück aufgeführt".

Jörges' klare und wahre These: Die Linke turnt in Sachen soziale Gerechtigkeit vor. Die Volksparteien folgen.

Der Einfluss der Linken, das ist das eigentliche Thema an diesem Abend. Erwin Huber müht sich, sein schon im Sommer 2007 angekündigtes Steuerkonzept nicht als Wahlkampfgag für die nahende Landtagswahl in Bayern abkanzeln zu lassen. Doch Moderator Frank Plasberg kontert mit einer Infratest-Umfrage: Nur zehn Prozent der Deutschen halten demnach die Steuersenkungspläne der CSU für ein ernsthaftes Anliegen, 76 Prozent führen sie auf die Landtagswahl zurück.

"Sie können doch nicht den Weihnachtsmann im Mai spielen"

Huber schüttelt den Kopf: "Die Steuerbelastung der einfachen Menschen schreit zum Himmel." Durch die kalte Steuerprogression würden "Facharbeiter in Kürze beim Spitzensteuersatz landen". Deshalb müssten die Steuersätze korrigiert werden. Und im Gegensatz zu Lafontaine wolle er die Spitzensteuersätze nicht anheben.

Die Sendung zieht ihren Reiz aus dem Pärchen Huber-Lafontaine. Denn einerseits verkörpern sie die Pole deutscher Politik, andererseits teilen sie in Sachen soziale Gerechtigkeit manche Forderung. Die SPD bleibt da blass. Joachim Poß ist ihr Vertreter in der Runde, der Finanzexperte aus dem Bundestag. Er gibt den Haushaltskonsolidierer, den Sparhans: "Sie können doch nicht den Weihnachtsmann im Mai spielen", sagt er zum Koalitionspartner Huber.

Der einstige Parteifreund Lafontaine dagegen habe bei der Vermögensbesteuerung Recht. Der freut sich, noch mit rotem Kopf. Denn gerade hat er von 5000 Milliarden Euro reinen Geldvermögens in Deutschland gesprochen, die sich "dieser Verein" – er zeigt auf Huber und Poß – "nicht zu besteuern traut".

In der Runde steht auch noch Unternehmensberaterin Dominique Döttling. Sie illustriert vielleicht am besten, wo der Zeitgeist heute weht, wo er einst wehte und wie sehr die Linke in den vergangenen Jahren den politischen Diskurs prägen konnte.

"Sie sind ja noch viel näher an der Linken, als ich dachte!"

Döttling ist ein Sausewind aus der Zeit der Jahrtausendwende. Damals, als der Mainstream noch so toll marktliberal war und Bundespräsidenten noch nicht vor Finanzmarkt-Monstern warnten. Damals, als Lafontaine noch Bücher schrieb über links schlagende Herzen, die dann in einem Verlag des Springer-Konzerns veröffentlicht wurden. Damals, als Wirtschaftsvertreter wie Döttling den Ton in Talkshows angaben.

Heute erklärt sie den Herren in der Runde erst einmal, dass "wenige Leute in der Wirtschaft in so veralteten Strukturen denken wie die Leute hier am Tisch". Politiker-Bashing, na klar, das gehört zum Rüstzeug der deutschen Wirtschaftseliten. Um Huber sorgt sie sich ganz besonders. Als der von Anreizen für die Menschen als Bedingung für wirtschaftliches Wachstum spricht, schaut sie ihn groß an: "Sie glauben also auch, dass wir Konsum stimulieren müssen? Dann sind Sie ja noch viel näher an der Linken, als ich dachte!"

Es sei unglaubwürdig, über Steuersenkungen zu diskutieren, um die arbeitenden Menschen zu entlasten, wenn man gleichzeitig für eine Rentenerhöhung stimme: "Das ist doch lächerlich", sagt Döttling. Da trifft sie einen Punkt - ausgearbeitet wird dieser Gedanke aber leider nicht.

In der Schlussrunde, die das Schönste an der Plasberg-Sendung ist und in der dieses Mal die Diskutanten einem Mitdiskutanten hypothetische 50.000 Euro anvertrauen müssen, bleibt Döttling konsequent: Sie vertraut das Geld allein sich selbst an. Und Jörges entzaubert Huber ein herzhaftes "Hahaha", als er ihm das Geld mit den doch sehr heftigen Worten "Er ist nicht so blöd, wie er immer hingestellt wird" anvertraut.

Da schaut Oskar Lafontaine schon wieder so amüsiert.

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