Herzversagen: Friedensreich Hundertwasser gestorben - DER SPIEGEL
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Herzversagen Friedensreich Hundertwasser gestorben

Bunte Säulen, goldene Zwiebeltürmchen, ungerade Linien und begrünte Dachterrassen waren sein Markenzeichen. Am Samstag starb der Wiener Künstler Friedensreich Hundertwasser an Bord des Kreuzfahrschiffes "Queen Elizabeth II" auf dem Pazifischen Ozean an Herzversagen.
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Wien - In den Häusern und Bildern von Hundertwasser gibt es keine rechten Winkel und keine gerade Linie. Die Spirale war das häufigste Motiv seiner Arbeiten, und der ebenso populäre wie umstrittene Maler, Architekt und Ökologe kam immer wieder auf dieses Symbol für den Kreislauf des Lebens zurück.

Am "Hundertwasserhaus" in Wien, einem Sozialbau in der Nähe des Donaukanals im Süden der Stadt, gleicht kein Fenster dem anderen. Individualität und Abwechslung, ornamentale Gestaltung und bunte Farben waren die Säulen seiner Arbeit, ob nun in der Architektur oder in seiner Malerei. Der klingende Künstlername, den sich Fritz Stowasser 1949 zulegte, war dem Maler und Grafiker Programm. Sein Werk entstand auch mit einem pazifistischen Anspruch, verbunden mit dem Bemühen um eine naturverbundene Lebensweise.

Der Künstler wurde am 15. Dezember 1928 als Sohn einer jüdischen Familie in Wien geboren. Fritz Stowasser fiel an der Montessori- Schule schon bald durch einen "außergewöhnlichen Farb- und Formsinn" auf. Kunst wurde zu seiner Leidenschaft, doch die akademische Ausbildung langweilte ihn nur. An der Wiener Kunstakademie hielt er es 1948 gerade drei Monate aus. Wichtige Anregungen holte er sich durch Ausstellungen und persönliche Begegnungen mit Künstlern.

Prägend war für den jungen Mann im Jahr 1948 eine Wiener Schau mit Werken Egon Schieles, lebensbestimmend wurde die Begegnung mit dem französischen Maler René Brô. Stowasser folgte dem Freund nach Paris und änderte seinen Namen programmatisch in Friedensreich Hundertwasser. Ausgedehnte Studienreisen führten ihn nach Marrakesch, Tunis, Italien, Tanger und Spanien. In den fünfziger und sechziger Jahren entwickelte er seinen bunten unverwechselbaren Stil, der im Gegensatz zu den aufkommenden Strömungen der Abstraktion und Konzeptkunst stand.

Kunst war für den umtriebig Suchenden verbunden mit einem moralischen Anspruch. Er wollte erreichen, dass der Betrachter seiner Werke sein eigenes Verhältnis zur Natur überdenkt und neu gestaltet: "Der Mensch ist nur ein solcher, wenn er sich selbst als Individuum erkennt, das selbständig und kreativ-schöpferisch denkt und handelt". Die große Zeit des engagierten Friedens- und Umweltaktivisten wurden die siebziger und achtziger Jahre. Staatsaufträge aus Deutschland, Österreich und von den Vereinten Nationen machten Hundertwasser populär, zahlreiche Friedens- und Umweltschutzpreise folgten ebenso wie große internationale Ausstellungen.

In den neunziger Jahren wurde es still um den bunten Vogel der Kunst. Der Zeitgeist nüchtern-sachlicher Funktionalität arbeitete gegen Hundertwassers Vorstellung von romantischem Naturerleben als Grundlage des Menschseins. Dem Theoretiker Hundertwasser wurde Dogmatismus vorgeworfen. Der Architekt sah sich als "Fassadenverhübscher" verunglimpft, die zahlreichen öffentlichen Aufträge in seiner Heimat wurden als "Verhundertwasserung Österreichs" bespöttelt.

Der Künstler sah sich selbst als Einzelgänger und extremer Individualist. Allen Kritiken zum Trotz hielt er an seinem Bekenntnis zur Romantik fest: "Die Abwesenheit von Kitsch macht unser Leben unerträglich". Zuletzt bearbeitete Hundertwasser Aufträge in Deutschland und Neuseeland. Weltweit etwa 20 Hundertwasser-Häuser locken Touristen an, in Wien ebenso wie im sächsischen Wittenberg, wo er ein Gymnasium gestaltete, und im neuseeländischen Kawakawa. Dort hat der Künstler ein farbenfrohes Toilettengebäude errichtet, das Neugierige in Scharen anlockt.

In Neuseeland hatte der Künstler zuletzt gelebt. Während einer Reise in die Heimat an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Queen Elizabeth II". ist er im Pazifischen Ozean an Herzversagen gestorben. Seinem Wunsch entsprechend soll er im "Garten der glücklichen Toten" auf seinem Landgut in Neuseeland begraben werden.