Heute in den Feuilletons: "Engherzige Retro-Moral" - DER SPIEGEL
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Heute in den Feuilletons "Engherzige Retro-Moral"

Grass grassiert: In der "FR" plädiert der Historiker Hans Mommsen für das "Recht des einzelnen auf eine private Bewältigung des umfassenden Wertezerfalls". Die "Zeit" kritisiert den "windelweichen Verhüllungsstil der Interviewer". Die "SZ" recherchiert zum Mediencoup - ohne Ergebnis.
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Die Zeit, 16.08.2006

In der Online-Ausgabe der Zeit ist Evelyn Finger von Grass und der FAZ gleichermaßen angewidert : "Es ist bezeichnend für den windelweichen Verhüllungsstil der Interviewer, dass sie die Frage 'Warum erst jetzt?' erst nach 120 Zeilen stellen und dass sie dem Interviewten seine wahrhaft dadaistische Antwort durchgehen lassen: 'Mein Schweigen über all die Jahre zählt zu den Gründen, warum ich dieses Buch geschrieben habe.' Günter Grass bricht also jetzt sein Schweigen, weil er so lange geschwiegen hat. Und die FAZ macht daraus ein bombastisches Geständnisevent, mit vierspaltigem Inszenierungsfoto aus dem deutschen Wald, mit einem demütig zusammengesunkenen Grass im Profil. Im Bühnenvordergrund viel Schatten, im Hintergrund goldenes Licht. Das ist die von der FAZ verheißene Aufklärung, die auf zwei ganzen anzeigenfreien Seiten leider nicht stattgefunden hat. Das Skandalöse am Grass-Skandal ist nämlich nicht die Nachricht, dass ein 17-Jähriger kurzzeitig bei der Waffen-SS war und dass ein prominenter Schriftsteller zu feige war, diese fatale Zugehörigkeit einzugestehen. Skandalös ist die übertriebene Mea-culpa-Geste, mit der Grass jede wirkliche Auseinandersetzung verweigert. Unter dem pathetischen Vorwand einer Generalbeichte hat er allein seine Verteidigung organisiert."

Die Tageszeitung, 16.08.2006

In einem Interview  sieht der Politikwissenschaftler Claus Leggewie  im späten Bekenntnis von Günter Grass ein Dilemma der bundesrepublikanischen Intellektuellen: Die nationalsozialistische Vergangenheit sei überkompensiert worden, gleichzeitig sei man unfähig zum eigenen Schuldeingeständnis gewesen. "Transformationsprozesse nach einer Diktatur verlaufen so. Und die zwischen 1900 und 1930 Geborenen haben kontraphobisch reagiert. Nur so ist die Verve zu erklären, mit der exponierte Vertreter gegen mögliche Rückfälle und den 'Adenauer-Mief' gekämpft haben. Grass etwa wandte sich 1990 gegen die deutsche Vereinigung, weil er allen Ernstes die Wiederkehr des großdeutschen Reiches fürchtete. Er wusste ja, wie 'verführerisch' der Nationalsozialismus war, und deswegen wandte er sich auch übrigens vehement gegen totalitäre Anwandlungen der 68er. Die scharfrichterliche Strenge, die Grass kennzeichnet, ist eine Form von Überkompensation: Ich übe diese Rolle aus und exkulpiere mich so nachträglich."

Stefan Reinecke analysiert  in seinem Kommentar das "Reiz-Reaktions-Schema" der von "engherziger Retro-Moral geprägten Debatte". Gemeldet  wird schließlich, dass Grass der Nobel-Preis nicht aberkannt wird, in Polen aber eine Initiative gegründet wurde, ihm die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Danzig zu entziehen.

Weitere Artikel: Tilman Baumgärtel beschreibt  in seinem Brief aus Manila, wie in der Regenzeit auf den Philippinen das öffentliche Leben fast ganz zum Erliegen kommt. Und Barbara Schweizerhof überlegt  in ihrer Besprechung von "Superman Returns" , ob angesichts von Video-Überwachung und Handy-Ortung Superkräfte, die alles mithören und durch alle Wände sehen zu können, wirklich noch Heldenprivilegien sind.

Schließlich Tom .

Frankfurter Rundschau, 16.08.2006

In zwei Gastbeiträgen kommentieren der Historiker Hans Mommsen und der SPD-Politiker Egon Bahr die Debatte um Günter Grass. Mommsen hält  die Empörung für ebenso typisch wie verlogen. "Das sich anbahnende Spießrutenlaufen verkennt nicht nur, dass dem Siebzehnjährigen die formelle Zugehörigkeit zur Waffen-SS schwerlich zum Vorwurf zu machen ist, sondern auch das Recht des einzelnen auf eine private Bewältigung des umfassenden Wertezerfalls, der mit dem Zusammenbruch des NS-Regimes eintrat und bei denen, die sich seiner bewusst werden, Sprachlosigkeit, ja Verdrängung auslöst."

Bahr glaubt , dass Grass’ Lebenswerk trotz des späten Geständnisses unbeschädigt bleiben wird. "Das ist wohl - neben anderen Motiven - nicht denkbar, ohne dass Grass diesen Teil seiner Vergangenheit als Makel empfunden hat, der ihn sechs Jahrzehnte begleitet hat. Sein Lebenswerk als Schriftsteller wird dadurch nicht berührt. Dass wir manches davon jetzt anders lesen, ändert auch nichts daran. Was die politischen Einmischungen angeht, so waren sie immer anregend, auch wo ich sie haarsträubend falsch fand. Literarische Qualität garantiert noch keine politische Unfehlbarkeit. An diesem Teil von Grass wird sich auch nichts ändern. Vielleicht mit der Ausnahme, dass er die Rigorosität, mit der er seinen jeweiligen Standpunkt vertritt, künftig etwas zurück nimmt."

Elke Buhr berichtet  über die neue Diskussion über den Berliner Schlossplatz, die die Zeitschrift Monopol  ausgelöst hat: Sie hatte verschiedene Architekten gebeten, für den ehemaligen Standort des Palasts der Republik eine andere Lösung zu entwickeln als grüne Wiese, nämlich ein "Museum auf Zeit für die Kunst von heute". Und in Times mager räsoniert  Daniel Kothenschulte anlässlich einer Stofftragetasche mit dem Aufdruck "Günter Grass Haus. Forum für Literatur und Bildende Kunst" etwas rätselhaft über Dinge, die "raus müssen" oder auch nicht.

Besprochen werden Bryan Singers Film  "Superman Returns"  und Bücher, darunter das Debüt  "Caspar" von Beate Rothmaier und der "Briefwechsel"  zwischen Hugo von Hofmannsthal und Walther Brecht. (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages  ab 14 Uhr)

Berliner Zeitung, 16.08.2006

Dokumente über Günter Grass' Mitgliedschaft in der Waffen-SS sind in der Wehrmachtsauskunftsstelle Berlin-Wittenau  seit Jahrzehnten öffentlich einsehbar, berichtet  Christian Esch. "Die 'Vorläufige Erklärung des Kriegsgefangenen' enthält die Auskunft, dass Grass am 8. Mai 1945 bei Marienbad gefangen genommen wurde, dass er im Zivilberuf 'Schüler' war, zuletzt aber Lade-Schütze bei der 'SS-Panzer-Division Frundsberg, Panzerabteilung'. Gezeichnet: Günter Grass, Kriegsgefangener mit der Nummer 31 G-6078785. Das Dokument wurde offenkundig nach seiner Überstellung in ein neues Kriegsgefangenenlager am 3. Januar 1946 ausgefüllt, sein Alter ist mit 18 Jahren angegeben. Das Dokument ist öffentlich zugänglich - 'es hat nur bisher niemand danach gefragt', sagt Peter Gerhardt, der stellvertretende Leiter der Wehrmachtsauskunftsstelle... Grass ist eine öffentliche Person, deren Daten nicht nur an Familienmitglieder weitergegeben werden. 'Jeder Biograf hätte die Akten einsehen können', sagt Gerhardt."

Der Dichter  Marcel Beyer erzählt im Interview , was sein Gedichtzyklus "Bienenwinter" mit Stalin und Ossip Mandelstam zu tun hat. In der Sowjetunion benutzten Politiker gern das Bild von der Biene, um ideologische Entscheidungen zu rechtfertigen: "Im Stock gibt es kein Individuum, oder es ordnet sich unter, unter das Staatenwesen." Mandelstam dagegen verglich die Biene mit dem Dichter. Er "fährt da ein radikales Gegenkonzept zum Konzept der Unterordnung des Individuums. Das Spannende dabei ist, dass vom tatsächlichen Tier und seinem Verhalten sofort ins Bild geschwenkt wird, und dann wird - im einen wie im anderen Fall - immer auf diesen Bildebenen gearbeitet. Man könnte ja auch einfach sagen, dass Stalin und Mandelstam unterschiedliche Bienenarten meinten, und fertig. Es gibt schließlich die staatenbildenden und die nicht-staatenbildenden Bienen. Aber da in beiden Bildwelten so etwas wie eine Biene-an-sich gesehen wird, stehen die Bilder natürlich in Konkurrenz zueinander."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2006

Es hat sich noch ein anderer Literaturnobelpreisträger daneben benommen, und zwar hochaktuell, berichtet Paul Ingendaay. Gabriel Garcia Marquez hat in der kubanischen Parteizeitung Granma in bester stalinistischer Manier eine Lobeshymne  auf den großen Caudillo Fidel Castro verfasst: "Tatsächlich ist der Beitrag des Nobelpreisträgers pompös und von peinlicher Anbetungsbereitschaft. Der erste Satz lautet: 'Seine Hingabe an das Wort.' Danach geht es um Inspiration, Leidenschaft, Anteilnahme, eine eiserne Konstitution, um intellektuelle Neugierde, Kombinationsvermögen, gigantischen Lesehunger und andere Tugenden des charismatischen Führers. Kein Wort von Repressionen und drakonischen Gefängnisstrafen gegen kubanische Dissidenten."

Auch der Casus Grass treibt diese Zeitung weiter um. Felicitas von Lovenberg verteidigt  Grass gegen Forderungen, ihm den Nobelpreis abzuerkennen: Grass habe sich seiner Vergangenheit nun gestellt. Patrick Bahners sieht Grass als Repräsentanten der Flakhelfer-Generation und kommt auf eine Studie des Soziologen Heinz Bude über diese Generation zurück.

Weitere Artikel: Rose-Maria Gropp bezweifelt  im Aufmacher, dass die vom Berliner Kultursenat betriebene Rückgabe von Ernst Ludwig Kirchners "Straßenszene"  an vermeintlich rechtmäßige Erben tatsächlich zwingend und geboten war. Boris Holzer verfolgte den soziologischen Weltkongress in Durban , Südafrika. Der Kunsthistoriker  Wolfgang Wolters beschreibt die exemplarische Sanierung eines Hauses in Venedig. Thomas Thiel berichtet über ein Treffen osteuropäischer Historiker der Nazizeit in Münster und Berlin. Wiebke Hüster gratuliert der Martha Graham Dance Company  zum Achtzigsten. Und Thomas Thiel schreibt ein kleines Profil des Popsängers Jan Delay.

Auf der Medienseite erzählt Martin U. Müller, wie Gebühreneintreiber des MDR (die übrigens eine Provision von 40 Prozent auf die ergatterten Beträge erhalten) die Hochschulen in Sachsen und Thüringen mit exorbitanten Forderungen für Monitore, die nur dem Prinzip nach als Fernseher gelten können, terrorisieren. Berichtet wird über Intendantensuche beim ORF und beim WDR. Michael Hanfeld schreibt  außerdem zum Tod des Verlegers John Jahr.

Besprochen werden die Ausstellung "Balnea - Architekturgeschichte des Bades" in Ulm , eine Ausstellung über "Arbeiten und Leben in der Globalisierung" in Steyr  und der neue "Superman"-Film.

Die Welt, 16.08.2006

Der polnische Historiker Adam Krzeminski reagiert  allergisch auf die Vertriebenen-Ausstellung  "Erzwungene Wege" in Berlin. "Der Leibhaftige steckt, wie immer, im Detail: im verkürzten Text, in den unterschlagenen beziehungsweise selektiv angedeuteten Zusammenhängen. Der Irrsinn der Nationalstaaten, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden, war der Grund allen Übels, wird da suggeriert. Davor war Europa also eine heile Welt? Bei einem Polen, der sich diese Ausstellung ansieht, regt sich sofort ein pawlowscher Reflex: Da ist es also wieder, anscheinend können sie nur ohne uns auf dieser Erde glücklich werden!"

Weiteres: Angesichts der "neuen deutschen Vaterlandsliebe" warnt  die Autorin  Ines Geipel davor, die schwierige deutsche Vergangenheit zu einer "Verschiebemasse von Wahrheit" werden zu lassen. Rainer Haubrich besuchte  eine vom Magazin Monopol bestallte Diskussionsrunde zur Einrichtung eines temporären Museums auf dem Berliner Schlossplatz nach dem Abriss des Palastes der Republik. Gemeldet  wird, dass 125 Künstler in einem offenen Brief gegen die Schweriner Arno-Breker-Ausstellung protestiert haben. Kai Luehrs-Kaiser stellt die Berliner Fotoagentur  "Kasskara" vor, die sich auf klassische Musiker und ihre Inszenierung spezialisiert hat.

Besprochen wird der "geschmackvoll und stilsicher" gefertigte Film  "Superman Returns" von Bryan Singer (zu dem Bösewicht-Darsteller Kevin Spacey im Interview  klarstellt "Wir reden hier doch nicht über Tschechow!").

Der Tagesspiegel, 16.08.2006

Jens Mühling kann in der Grass-Sache mit einer aufsehenerregenden Enthüllung aufwarten : "So erklärte gestern ein anonymer Germanist, auch Grass' vehemente Ablehnung der Rechtschreibreform müsse im Lichte seiner Waffen-SS-Mitgliedschaft neu bewertet werden. Der Wissenschaftler wies schlüssig nach, Grass habe die Reform des Regelwerks vor allem deshalb zu verhindern getrachtet, weil die weitgehende Ersetzung des Buchstabens ß durch den Doppelkonsonanten ss ein 'biografisches Trauma des Schriftstellers berührt' habe. Aus demselben Grund habe Grass seine Enthüllung auch in der FAZ publik gemacht, weil diese, so der Germanist, 'bis heute sz schreibt, wo die SZ ss schreibt'."

Weitere Artikel: Jörg Andrees Elten , gleicher Jahrgang wie Günter Grass (1929), war auch in der Waffen-SS. Im Interview  erzählt er, wann er zum ersten Mal über diese Zeit sprechen konnte: "Ich konnte mit 50 Jahren meine Vergangenheit in meiner Autobiografie 'Karma und Karriere' aufschreiben. Mein Aufarbeitungsprozess begann in einem Ashram. In den Sitzungen kamen alle unterbewussten Ängste und viele Erinnerungen hoch." Und Alexander Cammann möchte  zu Grass' Bekenntnis "nicht entschuldigend, sondern nüchtern historisierend ... festhalten: Grass' Umerziehungs-Motor brauchte dieses schwärende Schuldempfinden, ein früheres Bekenntnis hätte ihn zum Stottern gebracht."

Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2006

Nach Jostein Gaarders umstrittenem Essay analysiert  Aldo Keel die norwegische Sicht auf Israel und sich selbst. "Der Kollaps des Oslo-Abkommens verbitterte viele Norweger, die sich nun mit den Palästinensern identifizierten. Darauf spielt die in Oslo lebende polnische Autorin Nina Witoszek an, wenn sie schreibt: 'Es ist typisch norwegisch, Gott zu spielen.' Sie erkennt in Gaarders 'naiver, narzisstischer, unhistorischer und die heroische Güte des Autors hervorkehrender Übung' die 'Enttäuschung darüber, dass die Israeli nicht wie Norweger sind'. Norwegen könne es sich leisten, ein 'Engel unter den Nationen' zu sein, schreibt Witoszek mit Ironie. Israel, umzingelt von Feinden, könne davon nur träumen."

Weiteres: Paul Flückiger beschreibt  die Grass-Debatte in Danzig, wo rechtskonservative Abgeordnete den Ehrenbürger zu demontieren und alle anderen zu beschwichtigen versuchen. Marina Rumjanzewa liefert  eine kleine Kulturgeschichte der russischen Sommerinstitution, der Datscha, die bei Turgenjew, Tschernyschewski, Gorki und Tschechow eine bedeutende Rolle spielte.

Besprochen wird Bryan Singers Film  "Superman Returns", den die Welt laut Michel Bodmer nicht braucht, und Bücher, darunter Juri Andruchowytschs Roman  "Moscoviada" und Robert Gernhardts Gedichtsammlung  "Später Spagat" (mehr in unserer Bücherschau des Tages  ab 14 Uhr).

Süddeutsche Zeitung, 16.08.2006

War das Grass-Interview nur ein PR-Coup? Der berühmte Investigativjournalist Hans Leyendecker hat nachgeforscht : "Die Beteiligten jedenfalls geben sich unschuldig wie Laubsägenbastler. Grass-Verleger Gerhard Steidl beteuert, dass er die Brisanz beim Lesen zunächst gar nicht erkannt habe. Etwa im Februar habe er das Manuskript studiert, und besonders aufgefallen sei ihm die Beschreibung von Grass, wie er vom Bildhauer zum Schriftsteller geworden sei". Deshalb habe er der FAZ eine Beilage vorgeschlagen. "Ende Juni, so Steidl, sei die letzte redigierte Fassung des 480-Seiten Buchs fertiggestellt worden. Mitte Juli hat dann die FAZ das Gespräch mit Grass in dessen Dorf Behlendorf geführt. Erst als FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher in dem Gespräch eindringlich Grass nach der Waffen-SS befragt habe, sei ihm, Steidl, 'klar geworden, was da diskutiert werden wird'."

Die Reaktionen in Polen auf das Eingeständnis ihres "Lieblingsdeutschen" resümiert Thomas Urban. In der Danziger Stadtratsdebatte über die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Grass hat die nationalkonservative Partei "Recht und Gerechtigkeit" jetzt ein Angebot gemacht: "Unter einer Bedingung könnte man darauf verzichten, den Ehrenbürgertitel für Grass zum Wahlkampfthema zu machen. Der Bürgermeister müsse beweisen, dass er seine 'servile Haltung' gegenüber den Deutschen überwunden habe."

Weitere Artikel: Zwei Artikel widmen sich dem neuen Superman-Film - Fritz Göttler denkt darüber nach, welche Superhelden Amerika noch braucht, Susan Vahabzadeh bespricht den Film. Thomas Urban kommentiert außerdem den Streit um die Ausstellung "Erzwungene Wege" , der zeige, dass Polen Deutschland und dessen Bemühungen um Vergangenheitsbewältigung nach wie vor "ausblende" und in der "Position moralischer Überlegenheit" verharre. Gustav Seibt denkt in einem Essay über die "elementaren Kraftquellen heutiger Kunst" nach und sieht in der Ausstellung "Das achte Feld" im Kölner Museum Ludwig das "Gebiet der randständigen Sexualität" als "wichtigste Kraftquelle der Ästhetik vorgeführt". Andrian Kreye berichtet, wie sich Oliver Stone mit geografischen und anderen Ungenauigkeiten schon in der Eröffnungssequenz seines Films "World Trade Center" die Sympathien der New Yorker verscherzte und sich damit als "out-of-towner" entlarvte. Marcus Jauer informiert über den sich regenden Widerstand gegen den Berliner Schlossplatz als Grünfläche ("Bundesrasenschau"). Zu lesen ist außerdem ein Interview mit der Exil-Chinesin Wang Youqin, die seit Jahrzehnten über die Kulturrevolution forscht und im Internet ein virtuelles Museum dazu eingerichtet hat.

Besprochen werden eine Inszenierung von Shakespeares "Viel Lärm um nichts", die Komposition "Adama" von Chaya Czernowitz, eine Korrespondenz zu Mozarts "Zaide"-Fragment, bei den Salzburger Festspielen , in gleich zwei Artikeln der Film "Superman Returns"  und Bücher, darunter Dieter Wellershoffs Erzählungsband "Das normale Leben" und das letzte Buch von Paul Ricoeur "Wege der Anerkennung" (mehr in unserer Bücherschau des Tages  ab 14 Uhr)