Hildegard Knef: Abschied im Rosenregen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hildegard Knef Abschied im Rosenregen

"Hildegard Knef, für dich soll's immer rote Rosen regnen." Mit diesen feierlichen Worten verabschiedete Bürgermeister Klaus Wowereit die "Botschafterin Berlins" Hildegard Knef. Dem Gottesdienst in der Gedächtniskirche wohnten zahlreiche Politiker und prominente Kollegen der kürzlich verstorbenen Schauspielerin bei.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Mit Tränen, roten Rosen, Glockenläuten und einem letzten Applaus hat Berlin Abschied von Hildegard Knef genommen. Einen Eklat verursachte zu Beginn der bewegenden Trauerfeier am Donnerstag in der Gedächtniskirche ein Mann, der dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zurief: "Herr Wowereit, in der Bibel steht, Schwulsein ist ein Gräuel. Lassen Sie sich warnen!", woraufhin für kurze Zeit ein Tumult in der Kirche, einem Wahrzeichen Berlins, losbrach. Der Störer wurde herausgedrängt."Berlin nimmt Abschied von einer großartigen Frau, die über viele Jahre die Stimme Berlins war", sagte Wowereit beim Abschied von dem deutschen Weltstar. "Hildegard Knef, für dich wird es immer tausendrote Rosen regnen in unserer, deiner Stadt Berlin. Berlin sagt Danke." Mit ihrem Beispiel an Kraft und Unverzagtheit sei sie vielen Menschen ein Vorbild gewesen, sagte Wowereit in Anwesenheit des mit den Tränen kämpfenden Ehemannes Paul von Schell und der aus den USA angereisten Tochter Christina. Wowereitlegte eine rote Rose am Sarg nieder.

Knefs Manager Thomas Jost sagte, der Tod habe alle schockiert. Die in der vergangenen Woche verstorbene Schauspielerin habe noch bis zuletzt berufliche und private Pläne gehabt. "Wieder einmal wollte sie nicht aufgeben. Ihr unbändiger Lebenswille war ungebrochen." Noch einmal erklang in der Gedächtniskirche das von der Schauspielerin gesungene Lied "Für mich soll's rote Rosen regnen", in dem es heißt: "Ich will immer noch siegen, will alles oder nichts." Der Pianist Kai Rautenberg und der Trompeter Till Brönner, die mit der Knef persönlich zusammengearbeitet hatten, gaben anschließend live noch andere Chansons der Knef zu Gehör. Der schlichte Kiefernsarg war mit einer langstieligen roten Rose bedeckt. Daneben stand ein gezeichnetes Porträt der Knef, das sie besonders mochte und das bis zuletzt in ihrer Wohnung hing. Vorausgetragen wurden die zahlreichen Orden und Auszeichnungen, die die Schauspielerin erhalten hatte, darunter das Bundesverdienstkreuz, die Goldene Kamera, das Filmband in Gold und ein Bambi. Bundespräsident Johannes Rau und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatten Kränze beziehungsweise Blumengebinde niederlegen lassen. Die Bundesregierung vertrat Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD). Die 650 Plätze in der Gedächtniskirche reichten bei weitem nicht aus, um die zahlreichen Trauergäste zu fassen. Viele Schauspieler waren gekommen, darunter Liselotte Pulver, Judy Winter und Günter Pfitzmann sowie die früheren Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), Walter Momper und Klaus Schütz (beide SPD), Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS) und der Filmproduzent Artur Brauner. Auf dem Platz vor der Gedächtniskirche, wo der Gottesdienst übertragen wurde, hatten sich noch mehrere hundert Berliner versammelt. Als der Sarg herausgetragen wurde, brandete zum letzten Mal ein Applaus für den Weltstar auf.Im Anschluss an die Trauerfeier wurde Hildegard Knef auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in einem Ehrengrab beigesetzt, wo in einem symbolischen Akt auf Wunsch der Familie tausend rote Rosen auf das Grabregnen sollten. Knef fand ihre letzte Ruhe in unmittelbarer Nähe der Gräber des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt, der die Schauspielerin einst zur "Botschafterin Berlins" ernannt hatte.