Holly Solomon Tod einer Pop-Prinzessin
New York - "Ich wollte Brigitte Bardot sein, ich wollte Jeanne Moreau und Marilyn Monroe sein, alle in einer Person" sagte Holly Solomon 1998 anlässlich einer Warhol-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle. Die renommierte Kunstsammlerin besaß bereits 1966 eines der Marilyn-Monroe-Porträts des Pop-Art-Gurus, der seine "Kunden" Mitte der sechziger Jahre zu Fotoautomaten schickte, um aus den Passbildvorlagen Kunst zu erschaffen.
Auch die drahtige Platinblonde, damals noch Schauspielstudentin bei Lee Strasberg, fütterte stundenlang einen New Yorker Automaten mit 25-Cent-Stücken, um facettenreiche Portraits von sich zu machen. Aus den Ablichtungen im Materialwert von 50 Dollar machte Warhol zwei Jahre später ein neunteiliges Bild. Damit reihte sich Solomon neben Elizabeth Taylor und Marilyn Monroe in die Liga der Pop-Ikonen ein, die von Warhol porträtiert wurden. Solomon sollte das letzte Fotoautomatenmodell des New Yorker Künstlers sein. Das Kunstwerk erzielte im vergangenen Jahr rund zwei Millionen Dollar (2,1 Millionen Euro) bei einer Versteigerung des Londoner Traditions-Auktionshauses Christie's. Außer von Warhol wurde Solomon auch von den Kunstgrößen Christo, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg und Richard Artschwager portraitiert.
Die im US-Staat Conneticut geborene Hollis Dworken entdeckte schon früh ihre Vorliebe für Kunst und Kultur. Als eine der ersten Sammlerinnen der Pop-Art bezeichnete sich Solomon selbst gerne als "Pop-Prinzessin". Nach einer kurzen Schauspielkarriere an Off-Off-Bühnen des Broadways eröffnete sie mit ihrem Mann Horace Solomon 1969 das "98 Green Street Loft". Drei Jahre lang galt das Atelier als "In-Location der New Yorker Szene, in dem alternativen Kunstforum trafen sich Dichter, Tänzer, Künstler und Musiker, darunter auch die damals noch unbekannte Performerin Laurie Anderson und der spätere Starfotograf Robert Mapplethorpe.
Das Ehepaar Solomon machte sich schnell einen Namen als Kunstkenner und -händler und eröffnete 1975 im New Yorker Stadtteil Soho die "Holly Solomon Gallery". Sie wurde vor allem für die Unterstützung des "Pattern and Decoration"-Stils (Muster und Dekoration) bekannt, einer Gegenbewegung zum Minimalismus der siebziger Jahre (mit Künstlern wie Brad Davis, Robert Kushner und Ned Smyth) und ein Steckenpferd Holly Solomons. Bald darauf wurde die Solomon-Galerie zur Anlaufstätte für vor allem europäische Kunstsammler.
Nach mehreren Umzügen innerhalb Manhattans schloss die Galerie vor drei Jahren nach rechtlichen Streitereien und Problemen mit den Grundstückseigentümern. Holly Solomon, die sich nicht ganz aus der Kunstszene zurückziehen wollte, zog nach Chelsea, das Trendviertel für Kunst in den letzten Jahren, und öffnete ihre kleine Galerie im "Chelsea Hotel" nach Vereinbarung mit Händlern und Sammlern. Am Donnerstag vergangener Woche starb eine der schillerndsten und einflussreichsten Kunst-Persönlichkeiten New Yorks an den Folgen einer Lungenentzündung. Sie wurde 69 Jahre alt.
"Sie war eine so stark und einzigartig wie jeder ihrer Künstler" sagte der Zeichner und Maler William Wegman, ein Freund der Familie, in der "New York Times" über Holly Solomon. "Sie liebte die Kunst und die Menschen. Wie Warhols Tod hinterlässt auch ihrer eine Lücke".