Holocaust-Mahnmal Bremst Architekt Planung aus?
Berlin - Eine Spanienreise soll ausschlaggebend gewesen sein. Dort stieß der New Yorker Architekt Peter Eisenman auf Schwarzschiefer, der ihm plötzlich attraktiver für sein Holocaust-Mahnmal vorkam als Beton. Das schrieb er zumindest Bundestagspräsident Wolfgang Thierse.
2700 Betonblöcke sollten bislang ein wogendes Stelenmeer bilden, in dem Besucher nachvollziehen sollen, wie verloren und bedrückt Juden im Dritten Reich die Nazis erlebten. Wie eine Narbe soll das Mahnmal nahe dem Brandenburger Tor in den Stadtraum wirken.
Die Entstehungsgeschichte des Mahnmals war mühevoll genug, über ein Jahrzehnt wurde diskutiert, bis sich der Bundestag schließlich auf eine 25 Millionen Euro teure Variante verständigte. Ideengeber war der New Yorker Architekt Peter Eisenman, der anschließend mehrere Betonquader auf dem 19.000 Quadratmeter großen Bauplatz niederlegen ließ, um ihre Farbbeständigkeit und Akzeptanz zu testen.
Ausschreibung auf "unabsehbare Zeit" gestoppt
Vor Kurzem wurde das Probefeld um zwei senkrecht aufgestellte Quader aus schwarzgrauem Schiefer erweitert - als "eine letzte Alternativüberlegung", verriet Eisenmans ausführender Architekt in Berlin, Manfred Schasler, am Montag dem "Tagesspiegel". Deshalb sei bereits im Dezember die Ausschreibung, die 2700 Stelen als Fertigteile aus Beton zu gießen, gestoppt worden.
Ursprünglich konnten bis zum 30. November Firmen ihr Interesse bei der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bekunden. Am 19. Dezember sollten dann von ausgewählten Firmen Angebote angefordert werden. Fünf Tage vor Ablauf der Frist, so berichtete der "Tagesspiegel", habe Architekt Schasler den Firmen aber mitgeteilt, dass sich das Verfahren "auf Grund umfangreicher inhaltlicher Klärungen ... bis auf unabsehbare Zeit" verschiebe.
Eigentlich sollen die Arbeiten in diesem Frühjahr beginnen und bis zum 27. Januar 2004 soll das Mahnmal fertig sein. Dann ist der alljährliche Holocaust-Gedenktag.
Mahnmals-Stiftung dementiert Verzögerung
"Der Vorschlag des Architekten über eine Ausführung der Stelen in Naturstein wird zurzeit von seinen Mitarbeitern intensiv geprüft", bestätigte zunächst die Geschäftsführerin der zuständigen Denkmal-Stiftung, Sibylle Quack. Kosten und Zeitpunkt des Baubeginns würden jedoch eingehalten, versicherten Quack sowie die Initiatorin des Mahnmals, Lea Rosh.
Bei der nächsten Kuratoriums-Sitzung am 31. Januar werde man gemeinsam mit dem Architekten "eine einvernehmliche Lösung finden", wurden die aufgeregten Journalisten am Montag beruhigt. Außerdem habe Eisenman bereits zugestimmt, nicht an der Schiefer-Variante festzuhalten, wenn dadurch mehr Kosten und eine Verzögerung der Bauarbeiten entstünden, betonte Geschäftsführerin Quack. Dagegen räumte Lea Rosh dem Vorschlag Eisenmans generell keine Chance ein.
Schneller Rückzieher von Eisenman
"Meine Entscheidung ist das nicht" teilte sogleich Architekt Eisenman der Agentur Reuters mit und bestätigte dem "Tagesspiegel" (Dienstagausgabe) , dass es ihm tatsächlich darum gegangen sei, "Schiefer zu bekommen, der aussieht wie Beton". Diese Möglichkeit sei durch den Wirbel jetzt aber "ruiniert".
Prompt erklärte Geschäftsführerin Quack gegenüber der Dienstagausgabe der "Berliner Zeitung", dass Eisenman nun wieder von seiner Schiefervariante abgerückt sei. Die Pläne würden nicht verändert: "Er macht Beton weiter, es wird keine Schieferstelen geben."
Die ursprünglich für Dezember angekündigte Ausschreibung habe sich aber auch aus anderen Gründen verzögert, wurde von den Stiftungsvertreterinnen versichert. Sie sei erst "in wenigen Wochen" soweit.
Fehlender Bauplan
Auch die Sprecherin der Senatsbauverwaltung, Petra Reetz, bestätigte der Nachrichtenagentur AP, dass es noch keine Ausschreibung gegeben habe. Diese werde erst vier bis fünf Wochen vor Baubeginn erfolgen. Ihre Behörde habe noch nicht einmal den letzten Bauplan des US-Architekten und wisse auch nicht, wann sie diesen erhalten werde. Kurzum: beste Voraussetzungen für einen gelingenden Bau.
Dabei hätte der schwarzgraue Schiefer tatsächlich besser ausgesehen, als alle anderen bisherigen Varianten, darunter auch dunkler Beton, der aussieht, wie Schiefer... .