Holocaust-Mahnmal: Degussa bleibt im Geschäft - DER SPIEGEL
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Holocaust-Mahnmal Degussa bleibt im Geschäft

Die Stelen des Holocaust-Mahnmals werden auch weiter von einer Degussa-Tochter imprägniert. Das wegen seiner Rolle im Nazi-Deutschland umstrittene Unternehmen werde weiter am Bau beteiligt, entschied das Kuratorium der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas am Donnerstagabend.
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Berlin - Die Entscheidung sei ohne formale Abstimmung gefallen, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, nach der Sitzung. "Es war eine lange und sehr ernsthafte Diskussion." Die Mitglieder hätten sich aber mehrheitlich dafür ausgesprochen, an allen bisherigen Firmen und Produkten festzuhalten.

Kuratoriums-Mitglied Lea Rosh hatte den Antrag gestellt, auf eine Abstimmung zu verzichten: "Sonst hätten der Zentralrat der Juden, die jüdischen Gemeinden und die Gedenkstätten isoliert dagestanden. Das wäre das falsche Signal gewesen. Die Entscheidung sollte im Konsens fallen."

Thierse erläuterte, das Denkmal dürfe nicht Teile der Gesellschaft ausschließen. Außerdem wäre der finanzielle Rahmen gesprengt worden, hätte das Denkmal ohne Degussa-Beteiligung errichtet werden sollen.

Mit der Entscheidung wird Degussa weiter den Graffiti-Schutz für die 2700 Betonstelen und den Betonverflüssiger für die Fundamente liefern. Das Unternehmen begrüßte die Entscheidung des Kuratoriums. Vorstandschef Utz-Hellmuth Felcht erklärte, Degussa stelle sich offensiv ihrer Geschichte. "Mit dieser Entscheidung können wir weiter am Bau des Mahnmals mitwirken und damit einen Beitrag zur Erinnerung leisten", sagte Felcht.

"Geiseln der politischen Korrektheit"

Auch der Architekt Peter Eisenmann zeigte sich erfreut über die Entscheidung. Man dürfe sich nicht zu "Geiseln der politischen Korrektheit" machen. Diskussionen wie die um die Degussa lägen ja auch in der Intention des Mahnmals.

Während des Nationalsozialismus hatte die Degussa-Tochter Degesch das Giftgas Zyklon B hergestellt, mit dem Millionen Juden in den deutschen Vernichtungslagern ermordet worden waren. Deshalb war Ende Oktober die Produktion der Mahnmal-Stelen vorläufig gestoppt worden.

Die heutige Degussa sei eine andere Firma, sagte Thierse. Das Unternehmen hat sich maßgeblich an der Entschädigung von Zwangsarbeitern aus der NS-Zeit beteiligt.

Das Mahnmal mit den 2700 Betonstelen und einem unterirdischen "Ort der Information" soll rund 27 Millionen Euro kosten.