Hüte Message for the sky
Wie heißen sie denn nun, diese Dinger, die bei Sonne, Wind und Regen den Kopf bedecken: Melone? Sombrero? Schlafhaube? Zylinder? Florentiner? Mütze? Turban? Schute? Narrenkappe? Cocktailspange? Brautkranz? Für Hüte gibt es mindestens so viele Bezeichnungen wie es Haare auf dem Kopf gibt. Mehr als 2000 Hüte, die allesamt aus den letzten drei Jahrhunderten stammen, zeigt derzeit das Münchner Modemuseum. Das sind zwei Drittel des Bestandes, den Museumschef Andreas Ley in seiner unbändigen Sammlerwut inzwischen zusammengetragen hat.
Das Verblüffende dieser üppigen Schau besteht darin, dass kein Hut dem anderen gleicht. Draht, Federn, Papier, Stroh, Filz, Seide, Tüll, Samt, Palmenblätter - die Hutmacher greifen auf alle erdenklichen Materialien zurück, die sie im Laufe der wechselnden Moden mal mit Minimalismus (wie das kreisförmige Gitter aus schwarzer Bastborte von Ina Böckler), dann wieder voller überbordender Phantasie (wie das seidenbezogene Käppchen mit goldfarbenen Zacken, roten Kunststoff-Flammen und nach oben gerichteten Messingdrähten von Berta Häusler) in Form bringen.
Ist der Hut ein Symbol des Allgemeinen, der das Gesicht, Symbol des Individuellen, verschwinden lässt? Oder hat gar der tschechische Künstler Milan Knizak Recht, von dem der Satz "A hat is a message for the sky" stammt. Jedenfalls ist der Hut mehr als ein schützendes oder einfach nur schmückendes Kleidungsstück: Wie eine Antenne sendet er Signale aus, dient als ästhetische Imponiergeste oder als Unterscheidungsmerkmal von gesellschaftlichen Gruppen: Deshalb trägt der Cowboy einen Cowboyhut, der preußische Soldat eine Pickelhaube und der Gebirgsschütze ein kordelbehängtes Trachtenkäppi.
Auch über politische Kopfbedeckungen erfährt man etwas in dieser Ausstellung. So gelangte beispielsweise der Zylinder im 18.Jahrhundert aus den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg nach Europa; in der Französischen Revolution trugen ihn die Vertreter des Dritten Standes, um sich vom royalistischen Dreispitz zu distanzieren. In den deutschen Revolutionswirren um 1848 hieß der Zylinder dann "Angströhre", bis er schließlich als steifes "Ofenrohr" zum Symbol für Staatstreue und Seriosität mutierte.
Wer trägt heute noch Hut? Adlige, Golfspieler, Faschingsgänger. Umso präsenter ist der Hut dafür in der Sprache, in Redewendungen wie "Unter die Haube kommen", "den Hut nehmen" oder "Kein Schlawiner trägt Florentiner". Dem kann man eigentlich nur noch hinzufügen: Mehr Mut zum Hut!
(Modemuseum im Münchner Stadtmuseum, bis 20.August)