"Idomeneo"-Aufführung "Wir brauchen eine Diskussion"
Berlin - Die Wiederbelebung der Mozart-Oper "Idomeneo" sollte ein gemeinsames Signal sein. Eine Demonstration für die Freiheit der Kunst - drei Monate, nachdem die Intendantin der Deutschen Oper in Berlin, Kirsten Harms, "Idomeneo" aus Angst vor einer möglichen islamistischen Bedrohung vom Spielplan genommen hatte.
Viel Prominenz aus Politik und Kultur, viel Polizei und viele Journalisten werden deshalb heute Abend in die Berliner Bismarckstraße kommen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wird da sein - und mit ihm sollten eigentlich auch die muslimischen Teilnehmer seiner Islamkonferenz vom Herbst in die Deutsche Oper kommen. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, hatte auf der Konferenz vorgeschlagen, die Vertreter des Islams sollten sich das Stück gemeinsam ansehen, Schäuble unterstützte Kolats Initiative daraufhin öffentlich.
Aber drei Monate nach der Absetzung von "Idomeneo" flattern dem Innenminister immer mehr Absagen ins Haus. Nur acht von 15 geladenen muslimischen Vertretern werden heute Abend in die Deutsche Oper gehen, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums zu SPIEGEL ONLINE. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, begründete seine Absage damit, dass er sich "politisch instrumentalisiert" fühle. Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu verkündete, er wolle nicht "als Fußsoldat einer Aufklärungskohorte" auftreten.
Auf SPIEGEL ONLINE erklären der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, und der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, warum sie heute Abend in die Oper gehen bzw. warum sie zu Hause bleiben.