IFA: ARD und ZDF verteidigen Digitalisierung - DER SPIEGEL
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IFA ARD und ZDF verteidigen Digitalisierung

Der Streit schwelt weiter. ARD und ZDF wollen sich nicht auf die Kritik an ihrem digitalen Ausbau einlassen. Stattdessen kritisieren sie den elektronischen Wandel der Printmedien.
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Berlin - ARD und ZDF halten trotz Kritik an ihren Plänen zum Ausbau ihrer Online-Angebote fest. ZDF-Intendant Markus Schächter verteidigte heute Nachmittag auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) das sogenannte Abruf-Fernsehen seines Senders, das morgen gestartet werden soll.

Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff kritisierte, die meisten in Deutschland noch geltenden Beschränkungen für einen Ausbau der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet seien künstlich und dem Gebührenzahler gegenüber kaum zu rechtfertigen. Raff wertete die Weiterentwicklung der ARD-Online-Angebote als einen "Schritt hin zur europäischen Normalität".

Verglichen mit den anderen öffentlich-rechtlichen Sendern in Europa habe die ARD ein geradezu bescheidenes Online-Angebot, das durch nicht mehr zeitgemäße Selbstbindungen und Auflagen beschränkt sei, sagte der ARD-Chef am Mittag auf der IFA. Er betonte, "das ist einzigartig in der Europäischen Union. Wir sind derzeit dazu verpflichtet, hinterherzuhinken".

Das ZDF allerdings sieht sich mit dem Ausbau seiner Mediathek "im europäischen Vergleich ganz vorn". 85 Prozent der befragten Zuschauer werteten das Internet-Angebot, bei dem die Nutzer ZDF-Sendungen unabhängig vom Sendedatum im Internet abrufen können, als "entscheidenden Vorteil der Digitalisierung", sagte Schächter. Abruf-Fernsehen wertete er als "genuines Fernsehgeschäft und ein unabdingbares Komplementär zum klassischen Echtzeitfernsehen". Er betonte: "Wir betreiben unser Kerngeschäft."

Schächter und Raff reagierten damit auf die Kritik des Verbands Privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT) sowie der Verlegerverbände, die bei ARD und ZDF eine ungebremste Expansion im Internet sehen.

Schächter hielt im Gegenzug Zeitungen und Zeitschriften vor, sich von gedruckten zu elektronischen Medien zu wandeln, obwohl diese sich im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht über die Gebühren ihrer Nutzer finanzieren.

Schächter sieht aber keine Konkurrenz zu den Verlagen. Sein Sender verwende im Internet weder Werbung noch mache er dort regionale Angebote. "Im ökonomischen wie im publizistischen Wettbewerb kann von Wettbewerbsverzerrung zugunsten des ZDF keine Rede sein", sagte er in dem Text.

Schächter zufolge lagen die Online-Ausgaben des ZDF für die Jahre 2004 bis 2007 unter der geltenden Obergrenze von 0,75 Prozent des Sender-Budgets. "Die Aufwendungen für Online-Angebote werden sich auch zukünftig im deutlich unteren Prozentbereich bewegen", versicherte er.

Das ZDF gibt am Samstagmittag den Startschuss für sein Abruf-Fernsehen. Das Angebot kann vom Computer, dem Fernseher oder von Mobiltelefonen aus genutzt werden - auch für Mac- oder Linux-Anwender, versicherte Schächter.

Christina Denz, ddp