Interview: Das Lächeln der Petra Gerster - DER SPIEGEL
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Interview Das Lächeln der Petra Gerster

Als sogenannte Anchorwoman soll die Moderatorin des Frauenmagazins "Mona Lisa" dem "heute journal" ein persönliches Gesicht verleihen. Im Interview sagt sie, wie das funktioniert und wie man bei schlechten Nachrichten die Façon behält.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit Anfang Mai ist Petra Gerster offiziell Anchorwoman von "Heute" und wird damit mehr sein als Nachrichtensprecherin oder Moderatorin: Sie soll dem ZDF ein Gesicht geben. Zehn Jahre lang war sie Redakteurin und Moderatorin des weltweit ersten TV-Frauenmagazins "Mona Lisa" und wurde dafür mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet. Andreas Kötter sprach mit der Journalistin über den täglichen Umgang mit Tragödien und über die Verantwortung einer Nachrichtenredaktion.

SPIEGEL ONLINE: Seit Anfang Mai dürfen Sie sich "Anchorwoman" nennen. Was heißt das?

Gerster: Die "Heute"-Redaktion strebt einen weiteren Kompetenzgewinn an, etwa durch Politiker-Interviews, die mein Kollege Klaus-Peter Siegloch und ich im Wechsel führen werden. Das kann sowohl im Studio als auch vor Ort sein, etwa beim EU-Wirtschaftsgipfel oder anderen Großereignissen.

SPIEGEL ONLINE: Sie legen Wert auf den Titel "Anchorwoman".

Gerster: Eigentlich ist das eher ein blödes, weil englisches Wort. Da wir im Deutschen aber keinen adäquaten Begriff haben, nennt man die Hauptpräsentatoren einer Nachrichtensendung eben Anchorman oder -woman. Anchors sind die Personen, die zur Hauptsendezeit in Millionen Wohnzimmern zu Gast sind.

SPIEGEL ONLINE: Von "personalisierter Nachrichtenkompetenz" spricht Ihr Chefredakteur Klaus Bresser. Da kann man Köpfe statt Konzepte befürchten.

Gerster: Diese Befürchtung ist unbegründet, weil das Konzept von Heute ein sehr gutes ist. Schließlich sind wir mit diesem Konzept Marktführer bei den 19-Uhr-Nachrichten.

SPIEGEL ONLINE: Wie versuchen Sie persönlich, das Vertrauen der Zuschauer zu erlangen?

Gerster: Ich glaube nicht, daß es dafür ein Rezept gibt. Man muß sich dieses Vertrauen hart erarbeiten. Ich denke, daß ich mir auch mit meiner Arbeit bei "Mona Lisa" Vertrauen erworben habe. Alles andere liegt wohl in dem Bereich, der nonverbal beim Zuschauer ankommt.

SPIEGEL ONLINE: Gab es Momente, in denen Sie ob der Tragik einer Nachricht das Gefühl hatten, nicht weiter zu können - oder schützt einen davor die Professionalität?

Gerster: Letzteres trifft zu. Das liegt natürlich auch daran, daß ich nicht erst mit den Nachrichten konfrontiert werde, wenn ich sie spreche. Passiert die große Katastrophe allerdings am späten Nachmittag, wie bei der Lawine in Galtür, dann wird man doch unvermittelt von der Wucht des Ereignisses erwischt. Sobald man aber auf dem Schirm ist, ist eine professionelle Distanz da, die man auch braucht, um all diese Nachrichten zu verkraften.

SPIEGEL ONLINE: Wo liegt die Verantwortung einer Nachrichtenredaktion? Gibt es Tabuthemen?

Gerster: Tabus gibt es natürlich, zum Beispiel Bilder von extremen Gewalttaten. Denn wir müssen natürlich auch den Sendezeitpunkt am frühen Abend, wo noch viele Kinder zusehen, berücksichtigen. Ebenso tabu sind Nachrichten, die nur an die Sensationslust appellieren würden.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie so etwas wie ein Vorbild?

Gerster: Jeder muß seinen eigenen Stil finden. Es gibt aber Kollegen, die ich sehr schätze oder geschätzt habe, wie Hanns Joachim Friedrichs. Sabine Christiansen hat mir immer gefallen, Gabi Bauer finde ich hervorragend. Auch die ein wenig hintergründige Art von Wolf von Lojewski gefällt mir. Was meine Art, die Nachrichten zu formulieren, betrifft, versuche ich, den strengen Maßstäben des Sprachpapstes Wolf Schneider gerecht zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie "Frauen-Themen" auch bei "Heute" Platz einräumen können?

Gerster: In unserer Redaktion herrscht ein recht ausgeglichenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Es ist auch eine junge Redaktion, die Frauenthemen gegenüber durchaus aufgeschlossen ist. Im übrigen ist es so, daß viele dieser sogenannten Frauen-Themen, wie zum Beispiel Abtreibung, in erster Linie politische Themen sind, die schon deshalb immer einen Platz in den Nachrichten finden werden.

SPIEGEL ONLINE: Ihr früheres Traumziel war, eine "Edelfeder" zu werden. Schreiben Sie noch?

Gerster: Selten, aber ich habe es nicht ganz aufgegeben. Zum Buch von Sabine Christiansen, "Trendwende", habe ich gerade ein Kapitel über Gleichberechtigung beigesteuert. Das Schreiben ist also nicht ganz aus der Welt.

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