Interview mit Fred Kogel (Teil 2): "Der Imageknacks war sehr groß" - DER SPIEGEL
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Interview mit Fred Kogel (Teil 2) "Der Imageknacks war sehr groß"

Im zweiten Teil des Interviews mit SPIEGEL ONLINE spricht der KirchMedia-Manager Fred Kogel über die Zukunft der Privatsender und das angeschlagene Image von Sat.1 nach der "ran"-Krise.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Alle privaten Sender leiden unter rasch zurück gehenden Werbeeinnahmen. Sind die fetten Jahre für immer vorbei?

Kogel: Wir haben sicherlich eine Phase der Stagnation, das gilt für das Jahr 2001 und ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend auch 2002 fortsetzen wird. Eine Erholung sehe ich frühestens für 2003. Zweistellige Zuwachsraten, wie früher, wird es aber auch dann nicht geben.

SPIEGEL ONLINE: Für diese Erholung müssen Sie neue Erfolgs-Sendungen heranschaffen. Talk, Quiz oder Reality-TV scheinen ausgereizt. Was kommt nun?

Kogel: Der jetzige Trend ist gefährlich. Die Sender müssen, um ihre Ergebnisprognosen aufrecht erhalten zu können, massiv am Programm sparen. Das führt dazu, dass viele Projekte entweder geschoben oder gleich ganz storniert werden. In schwierigen Zeiten will man keine Risiken eingehen. In zwei, drei Jahren aber wird sich dieser Trend drehen, dann werden die Sender keine andere Chance mehr haben, als wieder auf neue internationale Formate zu setzen.

SPIEGEL ONLINE: Werden neue Technologien dazu führen, dass auch neue Anbieter in den Markt drängen und den Vollprogrammen das Leben erschweren?

Kogel: Ich glaube nicht, dass die großen Vollprogramme und die Sender der zweiten Generation, wie Kabel 1, Vox oder RTL2, sich sorgen müssen, dass neue Spartensender zur Gefahr werden könnten. Und auch was die neuen Kabelnetzbetreiber betrifft habe ich eine relativ entspannte Ansicht. Niemand wird es sich leisten, einen der etablierten Sender außen vor zu lassen.

SPIEGEL ONLINE: Der ARD-Programmdirektor Günther Struve hält es für "eine Mär, dass alle nur darauf warten, endlich interaktiv zu werden". Teilen Sie diese Meinung?

Kogel: Ich würde ihm Recht geben. Fernsehen ist ein Medium, dessen Reiz gerade darin liegt, dass der Zuschauer nichts tun muss, um es zu genießen. Das Fernsehen liefert Entspannung, da kann Interaktivität nie Selbstzweck, aber vielleicht doch eine sinnvolle Ergänzung sein. Wenn Neun Live (ehemals TM3, d. Red.) nun versucht, Fernsehen und Telefon miteinander zu verbinden, dann glaube ich nicht, dass Call-In-Sendungen allein ausreichen, um Interaktivität langfristig etablieren zu können.

SPIEGEL ONLINE: Damals wollten Sie Sat.1 zur Nummer Eins unter den TV-Sendern machen. Heute, unter Ihrem Nachfolger Martin Hoffmann, haftet dem Sender mehr denn je ein Verliererimage an. Ist Sat.1 das ungeliebte Stiefkind der Kirchgruppe?

Kogel: Nein, man muss bedenken, dass wir eine völlig andere Struktur haben als etwa die RTL-Gruppe. RTL ist die absolute Nummer eins, RTL2, Super RTL und VOX stehen aber alle eindeutig in der zweiten Reihe.. In unserer Familie haben wir mit ProSieben und Sat.1 zwei Premiumsender etabliert. Stellen Sie sich vor, man würde alles, was bei ProSieben gut und teuer ist, zu Sat.1 legen oder auch umgekehrt, dann bin ich sicher, dass der Marktanteilsunterschied zu RTL gar nicht mehr so groß wäre.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch entstand beim Wirbel um die Fußballsendung "ran" der Eindruck, dass Sat.1 allenfalls dazu taugt, einem anderen Mitglied der KirchMedia GmbH, in diesem Fall dem Bezahlsender Premiere World, Vorteile zu verschaffen...

Kogel: Wir mussten ausprobieren, ob "ran" um 20.15 Uhr funktioniert. Das war ein Risiko, aber der Versuch war es wert. Wir wollten auf diese Weise auch Premiere stärken, das gebe ich zu. Allerdings ist Sat.1 ja nicht vergewaltigt worden, sondern die Verantwortlichen haben sich bei diesem Vorschlag durchaus auch etwas für ihren Primetimeplatz am Samstagabend versprochen. Leider hat es nicht geklappt. Deshalb haben wir die Regelung schon nach drei Spieltagen rückgängig gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Das Image war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon beschädigt.

Kogel: Zweifellos, dieser Imageknacks war sogar sehr groß. Und das haben wir nicht nur, aber auch unserem Bundeskanzler zu verdanken, der sich, aus dem Urlaub privat dazu äußern musste.

Das Interview führte Andreas Kötter

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