Interview mit Herbert Knaup "Albert Speer war ein Wendehals"
SPIEGEL:
Herr Knaup, in dem Film geht es um zweierlei: Werden die Hauptkriegsverbrecher des Dritten Reichs einen fairen Prozess bekommen? Und: Werden sich Chefankläger Robert Jackson und seine Assistentin Elsie am Ende kriegen? Halten Sie das für angemessen?
Knaup: Das ist Ihre Wertung. Zunächst einmal ist es doch zu begrüßen, dass der Nürnberger Prozess zum Thema eines TV-Films wird. Schauen Sie sich den Klamauk an, der in Deutschland produziert wird. Warum machen wir keinen Film über die Nürnberger Prozesse?
SPIEGEL: Dennoch hätte man auf die alberne Love-Story verzichten können.
Knaup: Die ist eben typisch amerikanisch. Aber die Erzählweise hat auch Vorteile. Der Zuschauer wird mit den Geschehnissen auf andere Weise emotional konfrontiert als in einer reinen Dokumentation. Letztere vermittelt ihm das Gefühl, dass das alles lange her ist und nichts mit ihm zu tun hat. Dagegen erleichtert ein Doku-Drama wie dieses den Brückenschlag zur Gegenwart, weil auch alltägliche Begebenheiten erzählt werden, die jeder nachvollziehen kann.
SPIEGEL: Wie kam es dazu, dass Sie als einziger deutscher Schauspieler in dem Film mitgewirkt haben?
Knaup: Die Produzenten hatten geglaubt, sie könnten deutsche Gelder auftreiben. Daher waren deutsche Schauspieler in der Besetzung vorgesehen. Obwohl sie die Gelder dann nicht bekommen haben, wollten sie mich in der Rolle Speers dabeihaben.
SPIEGEL: Was hat Sie an der Rolle gereizt?
Knaup: Vor allem die Zwiespältigkeit in Speers Wesen. Er war der einzige Hauptkriegsverbrecher, der seine Reue offen bekannte. Andererseits gelang es ihm, die Richter davon zu überzeugen, dass er von der Vernichtung der Juden nichts gewusst habe. Heute wissen wir, dass er gelogen hat. Im Grunde war er ein Wendehals.