Jan Hoet: Ex-Documenta-Chef ist gestorben - DER SPIEGEL
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Jan Hoet ist tot Der Mann, der aus der Documenta Unterhaltung machte

Er wurde 1992 als Macher der Documenta 9 weltberühmt: Jan Hoet revolutionierte die Kasseler Verhältnisse, später leitete er unter anderem das Museum MARTa in Herford. Nun ist er gestorben.
Jan Hoet (1936 - 2014): "Er konnte Kunst auch Nicht-Kunst-Profis vermitteln"
Jan Hoet (1936 - 2014): "Er konnte Kunst auch Nicht-Kunst-Profis vermitteln"

Jan Hoet (1936 - 2014): "Er konnte Kunst auch Nicht-Kunst-Profis vermitteln"

Foto: KRISTOF VAN ACCOM/ AFP
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Brüssel/Kassel/Hamburg - Der frühere Documenta-Chef und langjährige Museumsdirektor Jan Hoet ist am Donnerstag im Alter von 77 Jahren in Gent gestorben. Das berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Hoet leitete 1992 die neunte Documenta, die weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst in Kassel. In Belgien war er unter anderem als Stifter und Direktor des Stedelijk Museum voor Actuele Kunst in Gent bekannt. In seiner Heimatregion Flandern galt Hoet als der "Kunstpapst", weltweit als einer der wichtigsten Impulsgeber für zeitgenössische Kunstschauen.

Große Aufmerksamkeit erregte er erstmals 1986 in Gent mit der auf 51 Wohnungen in der Stadt verteilten Ausstellung "Chambres d'amis". Damals stellten Künstler in antimusealer, alltäglicher Umgebung aus - eine völlig neue Perspektive, aus der Kunst wahrgenommen werden konnte.

"Der Tod von Jan Hoet ist ein großer Verlust für die Kunstwelt. Er war eine charismatische Kunstpersönlichkeit, die die Documenta weiterentwickelt hat", sagte Documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld. Hoet habe die Documenta sehr populär gemacht. Mehr als 600.000 Interessierte wollten sie sehen - so viele wie noch nie vorher. Populärstes Kunstwerk der Documenta 1992 war die 25 Meter hohe Skulptur "Man walking to the sky" von Jonathan Borofsky, die auch heute noch am Kasseler Kulturbahnhof steht. Hoet sei einer der ersten Documenta-Macher gewesen, der auf die Menschen zugegangen sei. "Er konnte Kunst auch Nicht-Kunst-Profis vermitteln", betonte Leifeld. Bis heute seien Spuren in Kassel zu finden, "die er gelegt hat".

Hoet beschritt in Kassel neue Wege - in vielerlei Hinsicht: Als besondere Attraktion hob er Sport-Veranstaltungen ins Programm der Kunstschau. Beim Baseball und Boxen wollte er die Verletzbarkeit des menschlichen Körpers zeigen. Hoet war in seinem Leben eine Zeitlang selbst als Boxer in Erscheinung getreten, er war anderen Bereichen gegenüber aufgeschlossen und alles andere als ein Bewohner des Kunst-Elfenbeinturms. Mit Hoet wurde die Documenta auch zur Unterhaltungsveranstaltung. Seine Kritiker dagegen nannten die neunte Documenta einen "Zirkus".

Hoet war auch Gründungsdirektor des vom Stararchitekten Frank O. Gehry entworfenen, 30 Millionen Euro teuren Museums MARTa in Herford in Ostwestfalen. "Wir sind tief getroffen vom Tod unseres Gründungsdirektors Jan Hoet", teilte das 2005 eröffnete Museum mit. Ende 2008 hatte der streitbare Hoet nach einigen turbulenten Jahren Herford verlassen. Anschließend war Hoet 2009 verantwortlich für das Kunstprojekt "Colossal.Kunst-Fakt-Fiktion", das in Osnabrück an die Varus-Schlacht vor 2000 Jahren erinnerte.

tha/dpa