In eigener Sache Wie wir arbeiten - journalistische Formate bei SPIEGEL ONLINE
SPIEGEL-Gebäude in Hamburg
Foto: Christian Charisius/ dpaIn der Flut von Informationen, die täglich, stündlich, minütlich über uns alle hereinbricht, macht SPIEGEL ONLINE das Komplizierte überschaubar, erklärt und ordnet die relevanten Geschehnisse ein. Jeden Tag veröffentlicht die Redaktion mehr als hundert Meldungen, Reportagen, Analysen - je nachdem, welches journalistische Format bei einem Thema angemessen erscheint.
Um die Arbeit der Redaktion für unsere Nutzer transparenter und nachvollziehbarer zu machen, dokumentieren wir hier die häufigsten Formate:
Die Nachricht - Was geschehen ist
Was ist wann wo passiert? Wer war beteiligt und wie spielte es sich ab? So klar und objektiv wie möglich versuchen wir, bei relevanten Ereignissen diese Fragen schnell zu beantworten - vom Ministerrücktritt bis zur Prinzenhochzeit, vom Flugzeugabsturz bis zur Entdeckung eines Elementarteilchens. Für viele Meldungen greifen wir dabei auf die Informationen von Nachrichtenagenturen wie Reuters und dpa zurück; das ist an den Kürzeln unter unseren Texten zu erkennen. Andere Quellen verlinken wir direkt in unseren Texten, um größtmögliche Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu schaffen. Die Nachricht ist Journalismus in reinster Form; nichts beschreibt sie besser als der zum geflügelten Wort gewordene Satz des SPIEGEL-Gründers Rudolf Augstein: "Sagen, was ist."
Die Analyse - Was die Dinge bedeuten
Warum ist etwas passiert? Wer steckt dahinter? Was folgt daraus? So klar wie möglich ordnen wir das Geschehen ein, machen es anschaulich und zeichnen Entwicklungen nach: das Erfolgsrezept der Bundeskanzlerin, die Ursachen der Eurokrise, die Gefahren der Gentechnologie. Unsere Autoren, Korrespondenten und Redakteure wägen in ihren Analysen die bekannten Fakten ab und schildern ihre Einschätzung - das heißt natürlich nicht, dass nicht doch alles ganz anders kommen kann.
Der Kommentar - Was wir meinen
Wie lässt sich das Geschehen bewerten? Unsere Autoren, Korrespondenten und Redakteure argumentieren klar, meinungsstark, manchmal polemisch - die Energiewende ist eine Katastrophe, der US-Präsident hat versagt, das Gymnasium gehört abgeschafft. Unsere Kommentare sind, das liegt in der Natur der Sache, absolut subjektiv und müssen nicht der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen. Wir wollen weder unseren Lesern noch unseren Kollegen vorschreiben, wie sie über einen Sachverhalt zu denken haben; wir wollen zu Debatte anregen - und freuen uns auf den Dialog.
Die Kolumne - Was unsere Autoren meinen
Was bewegt uns? Aus welcher Perspektive lässt sich das Geschehen betrachten? Wie über die großen und die kleinen Dinge denken? Unsere Kolumnisten kommentieren pointiert und meinungsstark; sie sind streitbar und provozieren manchmal. In ihren Kolumnen zeichnen sie ein Bild der Welt, wie sie sie sehen. Ihre Texte geben ihre persönliche Meinung wieder, nicht zwingend die der Redaktion. Mal geht es gegen Gendermainstreaming, mal gegen Altherrenhumor; mal wird die Freiheit im Netz verteidigt, mal mehr Kontrolle gefordert - je nach Autor und Temperament, immer subjektiv und immer wiederkehrend.
Das Interview - Wer etwas zu sagen hat
Wer kennt sich wirklich aus? Wer schildert einen Vorgang besonders anschaulich? Wer formuliert seinen Standpunkt pointiert und klug? Wir sprechen mit Experten, Betroffenen, Meinungsführern: Wer etwas zu sagen hat, kommt bei uns zu Wort. Unsere veröffentlichten Interviews bleiben möglichst nah am Wortlaut der tatsächlich geführten Gespräche, sind aber keine Protokolle. Sie werden in der Regel, so ist es in Deutschland üblich, vor Veröffentlichung vom Interviewpartner autorisiert. So lassen sich Missverständnisse vermeiden.
Der Report - Was genau geschehen ist
Wie genau hat sich das Geschehen abgespielt? Was muss ich darüber wirklich wissen? So sachlich und objektiv wie möglich beschreiben wir die relevanten Vorgänge, scheiden Wichtiges von Unwichtigem, ordnen Chaotisches und machen Kompliziertes schnell begreifbar: von der Funktionsweise des Fukushima-Reaktors bis zur Debatte über Studiengebühren, von der Wahl des Bundespräsidenten bis zur Ausbreitung der Vogelgrippe. Der Report konzentriert sich aufs Wesentliche; wie Albert Einstein einst gesagt haben soll: "Es geht darum, alles so einfach wie möglich zu machen, aber nicht einfacher."
Das Feature - Warum mich das interessiert
Was ist interessant, über die reinen Fakten hinaus? Wir berichten nicht nur, was passiert ist, wir liefern Ihnen Eindrücke, Details, Einschätzungen, Hintergründe. Das Feature verbindet subjektive und objektive Elemente zum Zweck der Anschaulichkeit und Verständlichkeit: die Mechanismen einer neuen Therapie und die Sichtweise eines Patienten; die Details eines neuen Gesetzes und die Folgen für Ihren Alltag; die Bundesligatabelle und den Torjubel.
Die Reportage - Wie es sich anfühlt
Warum soll ich mich für das Geschehen interessieren? Und wie fühlt es sich an? Unsere Reporter erzählen von Ereignissen, die sie selbst erlebt haben, von Dingen, die sie gesehen, gehört, gefühlt, geschmeckt, gerochen haben, von Menschen, die sie kennengelernt haben - so präzise, anschaulich, fesselnd wie möglich. Sie begleiten Ärzte in Syrien, Häftlinge in Brandenburg und Bürgermeister im Wahlkampf. Die Reportage kann nur subjektiv, darf aber nie fiktiv sein. Sie liefert, was die Naturalisten im 19. Jahrhundert unter Literatur verstanden: "Ein Stück Leben, gesehen durch ein Temperament."