Kanzler-Bildband: Wahlkampfpause unter Freunden - DER SPIEGEL
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Kanzler-Bildband Wahlkampfpause unter Freunden

Noch ist die Ära Schröder nicht vorbei, der Kanzler lässt dennoch schon mal mit einem opulenten Bildband Bilanz ziehen: In "Mensch, Schröder" dokumentieren die Fotografen Konrad R. Müller und Dieter Blum die Karriere Schröders vom Provinzkicker zum Bundeskanzler. Heute war Buchvorstellung in Berlin.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Pause im Wahlkampf: Es wurde viel gelacht, als Bundeskanzler Gerhard Schröder in eine Berliner Buchhandlung eilte, um - mit einem jovialen Lächeln versteht sich - der Präsentation des Bildbandes "Mensch, Schröder" beizuwohnen. Ob er Politik macht oder mit Ehefrau Doris turtelt, wer die 190 Fotos des 224-Seiten-Wälzers betrachtet, könnte auf den Gedanken kommen, dass das Leben als Kanzler ein großer Spaß ist.

Der Band dokumentiert nicht nur die siebenjährige Amtszeit des Bundeskanzlers, die Fotografen Konrad R. Müller und Dieter Blum nähern sich in sechs Kapiteln auch dem Privatmann in teils intimen Bildern. Angefangen bei der Kindheit im Lipperland als "Acker", wie Schröder als Mittelstürmer beim TuS Talle genannt wurde, über den "Ehemann, Vater und Freund" bis ins "Zentrum der Macht", dem Kanzleramt,

Für die Buchpräsentation war "Zeit"-Herausgeber Michael Naumann gekommen, der einst als Kulturstaatsminister unter Schröder diente. Naumann hielt eine Laudatio, die wie selbstverständlich von Heiterkeitsausbrüchen des Publikums begleitet wurde. Naumann lobte die "ästhetische Handschrift" der Fotografen, er lobte Schröders "ansteckendes Lachen" und er lobte, dass Schröder stets Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern zeige.

Den zahlreich versammelten Journalisten blieb das Lachen allerdings im Halse stecken, denn nachrichtlich gab der Termin bis dahin nicht viel her. Schröder - der sich zumindest über die Titulierung als "lebende Legende" (Verlags-Info) herzlich freuen konnte - wird das gespürt haben. Er wechselte aus der Zuschauerreihe aufs Podium, um bloß keine Langeweile aufkommen zu lassen. Es gab ein Kanzler-Statement zum Thema TV-Duelle, das natürlich nicht ohne Pointe auskommen konnte. "Ich rate dazu, gelassen damit umzugehen. Auch meiner Gegnerin. Das kann man durchaus gewinnen", sagte Schröder.

Bei all dem Spaß ging fast unter, dass Blum und Müller mit ihren Fotos tatsächlich eine Arbeit gelungen ist, die den Bundeskanzler in Farbe und Schwarz-Weiß aus "nächster Nähe" zeigt. Ob beim Händeschütteln in Tokio, beim Tanzversuch in Soweto oder bei Gesprächen mit Altrocker Udo Lindenberg und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin - die Fotografen dokumentieren, dass Schröder oft und gerne lacht. Und selbst, wenn er auf manchen Bildern ernst guckt, umspielt seine Züge ein leichtes Lächeln. Klar, von Problemen wie Reformstau oder Wirtschaftsflaute keine Spur; Bilder eines sich sorgenden Kanzlers kommen nicht vor. Die jüngsten Krisen werden indes nicht ganz ausgespart. So zeigt zum Beispiel eine Momentaufnahme den angespannten Kanzler mit seiner Chefsekretärin Marianne Duden bei der Live-TV-Aussage von Außenminister Joschka Fischer vor dem Visa-Untersuchungsausschuss im April.

Ergänzt wird der großformatige Bildband durch Textbeiträge unter anderem von Schröder-Freunden wie Naumann und dem Publizisten Manfred Bissinger, aber auch Kritiker wie "Welt am Sonntag"-Chef Christoph Keese und Unternehmensberater Roland Berger sind vertreten. Die Texte stören den Bildfluss allerdings kaum und bestärken im Zweifelsfall die alte Weisheit, dass ein Bild of mehr sagt als 1000 Worte.

Nach einer guten halben Stunde war der Spaß für Schröder wieder beendet. Der nächste Wahlkampfauftritt wartete, dem Plan zufolge in Hamburg. Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel dürfte den Berliner Termin ihres Gegners mit Gelassenheit zur Kenntnis genommen und sich einen alten Spruch vor Augen geführt haben: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Stefan Lange, AP


Dieter Blum und Konrad R. Müller: "Mensch, Schröder", Verlag teNeues, Kempen; 224 Seiten, 29.90 Euro

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