Keine Ente Donald Duck wird Hollywood-Star
Los Angeles - Eigentlich hatte er immer das Nachsehen. Glück war dem Vetter Gutsav Gans vorbehalten, jener vom Schicksal gehätschelte Snob, über den man lernte: "Gustav Gans, ja der kann's!" Jetzt aber waltet die ausgleichende Gerechtigkeit: Der Welt berühmtester Comic-Erpel wird mit einem Stern auf Hollywoods Walk of Fame geehrt. Disney-Chef Michael Eisner, zahlreiche Fans und Donalds Cartoon-Kollegen Mickey Mouse, Pluto und Daisy Duck fanden sich heute zur Zeremonie in Los Angeles ein.
Film-Mogul Eisner scherzte, der Enterich würde die Ehrung sehr zu schätzen wissen. Davon kann man ausgehen. Schließlich wird Unglücksvogel Donald beharrlich von der eigenen Familie getriezt. Zum Beispiel von Onkel Dagobert, dessen Vermögen sich auf stolze "elf Oktillionen, zweihundertfünfzig Umtillionen und sechzehn Cent" beläuft.
Wenn Donald den 2257. Stern auf dem Hollywood Boulevard erhält, ist er allerdings nicht die erste Comicfigur, die auf der Filmmeile verewigt wird. Mickey Mouse, Bugs Bunny und die Cartoon-Familie "Die Simpsons" haben bereits einen Ehrenplatz auf Hollywoods legendärer Promenade.
Der Erpel im Matrosenanzug, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, hatte im Juni 1934 seinen ersten Filmaufritt in dem Disney-Trickfilm "The Wise Little Hen", damals aber noch in einer Nebenrolle. Drei Jahre später begann die Solokarriere der Figur mit einer eigenen Cartoon-Serie. An der Seite von Freundin Daisy Duck und den Neffen Tick, Trick und Track spielt er seither den liebenswerten Pechvogel von Entenhausen.
Mit Donald Duck wird eine Figur geehrt, die perfekt zum Zeitgeist der modernen Leistungsgesellschaft passt. Von Beginn an schuftete der Erpel für seinen Lebensunterhalt, allein während der Ära des Zeichners Carl Barks absolvierte Donald über 100 verschiedene Berufe. Dass er sich bei aller Mühe nie aus der Leichtlohngruppe herausbewegte, gehört zur Tragik dieses vom flexiblen Kapitalismus Gegängelten. Ein armer Schlucker, reich an Fans und Ruhm.