"Klimbim"-Star Schauspieler Horst Jüssen gestorben
Hamburg - Horst Jüssen kämpfte tapfer gegen den Lungenkrebs, doch am Montagabend versagten dem 67-Jährigen die Kräfte. Seine Ehefrau, die Sängerin Lena Valaitis, sagte dem Magazin "Bunte": "Unsere Söhne und ich waren bis zum letzten Atemzug bei ihm." Bis zuletzt habe ihr Mann gehofft, mit Hilfe seiner Ärzte den Krebs zu besiegen. Jüssen und Valaitis waren seit 1979 verheiratet, das Paar hat zwei Söhne.
Noch im Frühjahr hatte sich Jüssen zuversichtlich gezeigt: "Ich habe den Kampf gegen den Krebs aufgenommen - und ich gewinne ihn auch. Da geht kein Weg dran vorbei", sagte er im April in einem Interview.
Jüssen wurde am 10. Januar 1941 in Recklinghausen geboren. Der Schauspieler, Regisseur und Autor wuchs in Husum auf und besuchte nach Abitur und Banklehre eine Schauspielschule. Ab 1963 spielte er an deutschen Theaterbühnen, machte 24 Theatertourneen und trat 1969 in die Münchner Lach- und Schießgesellschaft ein, wo er bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1972 neben Dieter Hildebrandt, Klaus Havenstein, Jürgen Scheller und Ursula Noack Mitglied war.
In der von 1973 bis 1978 in der ARD ausgestrahlten Serie "Klimbim" spielte Jüssen den arbeitsscheuen Liebhaber Adola von Scheußlich. "Klimbim" war die erste erfolgreiche deutsche Comedy-Fernsehserie. Im Stile einer Nummern-Revue wurden gespielte Sketche, Einspieler-Filme, Gastauftritte von Stars sowie Episoden aus dem absurden Leben der namensgebenden "Klimbim"-Familie auf die Bühne gebracht.
Die Serie provozierte das Publikum mit frivolem Klamauk und zeigte "Klimbim"-Familienangehörige wie Ingrid Steeger und Elisabeth Volkmann in aufreizender Kleidung. Ein Großteil der Schauspieler der Stammbesetzung hatte zuvor mit Erotikfilmen ihr Geld verdient. Die gegen bundesrepublikanische Prüderie gerichtete Sendung zog nicht nur großen Publikumserfolg nach sich, sondern führte auch zur Auszeichnung durch die seinerzeit als eher konservativ geltende Jury des Adolf-Grimme-Preises.
Doch der Comedy-Kult war auch ein Fluch: Wie die meisten "Klimbim"-Schauspieler wurde Horst Jüssen die Assoziation seines Namens mit der Serie nicht mehr los. Ab Mai 2004 ging er - wie zum Trotz - noch einmal mit dem alten "Klimbim"-Ensemble und dem selbstgeschriebenen Stück "Die Klimbim-Familie lebt" auf eine Gastspielreise mit 320 Vorstellungen.
Neben zahlreichen Gastauftritten in vielen Fernsehserien, darunter "Derrick", trat Jüssen seit 2001 als "Preuße vom Dienst" zweimal jährlich mit dem Chiemgauer Volkstheater in TV-Aufzeichnungen des Bayerischen Rundfunks auf.
Nachdem er zahlreiche Theaterstücke bearbeitet und zum Teil übersetzt hatte, trat Jüssen in den vergangenen Jahren auch als Buchautor in Erscheinung. Im April 2001 erschien sein erster Roman "Jeschua", es folgten "Ein Teufelskreis" und "Joseph Satan". Für sein Kindertheaterstück "Kaspar und der Löwe Poldi" erhielt er den Gebrüder-Grimm-Preis der Stadt Berlin.
ely/AP/AFP