Köln: Alphons Silbermann ist tot - DER SPIEGEL
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Köln Alphons Silbermann ist tot

Im Alter von 90 Jahren ist in Köln der Soziologe und Kommunikationswissenschaftler Alphons Silbermann gestorben. Er gilt als einer der Väter der deutschen Medien- und Musiksoziologie.
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Köln - In seiner Forschungsarbeit und seinen zahlreichen Veröffentlichungen galt seine Neugier stets dem Menschen und seinem Alltag. Früh widmete sich Silbermann der Analyse der Medienkultur. Eines seiner Hauptwerke war "Bildschirm und Wirklichkeit". Zu seinem 90. Geburtstag im August 1999 war bei Lübbe zuletzt sein Essay-Sammelband "Flaneur des Jahrhunderts" erschienen.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft, Soziologie und Musikwissenschaft und nach anschließender Promotion emigrierte Silbermann 1934. In Holland schlug er sich als Kaufmann durch, in Paris sogar als Kellner. In Australien wurde er dann Chef einer Fast- Food-Kette. Trotz Vertreibung und dieses unfreiwilligen Ausflugs sei es ihm gelungen, als "Außeneinsteiger allein auf Grund meines Wissens und Könnens" wieder in der Wissenschaft Fuß zu fassen und eine akademische Karriere zu starten, hatte sich Silbermann zu seinem 90. Geburtstag erinnert.

Seine wissenschaftliche Laufbahn nach der Vertreibung begann Silbermann als Musiklektor in Sydney und als Soziologe in Lausanne, bevor er in seiner Heimatstadt Köln bis 1974 an der Universität wirkte. Seit den achtziger Jahren beschäftigte sich der Wissenschaftler zunehmend mit dem Problem des Antisemitismus.

Er habe auch "jede Menge Flops" zu verschmerzen gehabt, meinte Silbermann vor wenigen Monaten. "Mein Grundsatz, bedeutend und glücklich zu sein, ist natürlich nicht in Erfüllung gegangen." Unter vielen Kollegen galt Silbermann als unbequemer Außenseiter. Seine Alltagssoziologie wurde mitunter belächelt. So scheute er sich der Professor nicht, einen Vergleich der Badezimmer in Ost und West nach der Einheit anzustellen.